Beziehungskarusell
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Die Leute rauschen vorbei.
Es ist, als dreht sich das Beziehungskarusell unentwegt.

Ich, ich stehe am Rand und schaue zu. Beobachte.
Beste Freunde werden manchmal zu Affären werden manchmal zu Freunden.

Feste Freunde werden zu Ex-Freunden.
Ist mit einem Schluss, kommt der nächste ganz bestimmt.

Man kompensiert.
Jeder nachfolgende Kerl ist toller als der Vorherige.

Auf Schmerz folgt größerer Schmerz.
Der Schmerz der Trennung, am Ende. Denn die Liebe kommt und sie geht.

Wo(rauf) also warten? Wie damit aufhören?
Und vor allem: wann beginnen?

Warum auf das Beziehungskarusell aufsteigen, wenn mir schon vom Zuschauen schlecht wird?

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Hoffnungslast
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Seht sie euch an, die zwei! Glücklich lecken sie sich gegenseitig den Hals, versenken ihre Zungen im Mund des anderen. Turteln wie Tauben, lecken wie Katzen, schlecken wie Hunde – und ganz bestimmt rammeln sie auch wie die Karnickel.

Seit Jahren, so scheint es, seid ihr schon zusammen. Unzertrennbar, ihr gehört einfach zueinander. Trifft man den einen, ist der andere nicht weit. Nicht nur in euren Köpfen hat sich schon dieses Band gebildet, das aus zwei Einzelnen eine Einheit geschnürt hat.

Dabei kenne ich den anderen gar nicht! Ich weiß nicht mal, wie er heißt. Vermutlich nennst du ihn ‘Schatz’. Was er macht, also beruflich, ist mir egal. Wie er es dir macht, im Bett, interessiert mich schon eher.

Ist er gut? Hat er es drauf? Ist er besser als ich? Mindestens gleich gut muss er sein, es hat dir ja damals schon sehr gut gefallen, mit mir. Charakterlich überlegen? Ausgeschlossen, niemals!

Bleibt also das Aussehen, der Schwanz. Baust du darauf eure Beziehung auf? Intellektuell ist er dir doch unterlegen, das verrät schon sein dümmlicher Blick auf diesem Foto da. Ihr wart zusammen auf einer der vielen Partys, und er, er knabbert dir lüstern am Ohr. Eklig.

Jedes Mal, wenn ich dein Profil anschaue, interessiert mich nur eins: der Beziehungsstatus. Im Gegensatz zu den Fotos jedoch bleibt er beharrlich auf “vergeben”.

Insgeheim hoffe ich, dass ihr euch endlich getrennt habt. Du verdienst es nicht glücklich zu sein. Denn warum sollte es dir besser gehen als mir?

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DU da
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Du forderst nichts von mir, du gibts. Du förderst mich und unterstützt meine Bemühungen. Durch dich werde ich zu einem besseren Menschen. Durch dich werde ich mehr “ich”, als ich es je gewagt hätte zu sein.

Meine Selbstzweifel verschwinden, ich merke: “Ich” zu sein ist nichts schlechtes. “Ich” zu sein, ist sogar das einzige, das ich sein kann, denn genau dieses Ich ist es, das zu so liebst. Ich brauche mich nicht zu verstellen, nur um mir am Ende selbst (nicht) zu gefallen.

Du hälst meine Hand, ohne mich zurückzuhalten. Du reißt mich mit, ohne mich ins Straucheln zu bringen.

Dabei bist du gar nicht das, wovon ich immer geträumt habe. Du bist viel mehr. Du übersteigst meine Vorstellungskraft. Und ich stelle erstaunt fest: Du bist auf deine Weise fasziniert von mir.

Du bist ein Rätsel, dass mich jeden Tag aufs Neue fragen lässt: “Womit habe ich dich verdient?” Dabei offenbarst du mir die Gewissheit, dass die Antwort in mir selbst zu finden ist.

Du bist viel mehr Sein als Schein. Du bist ein Mysterium, dass es zu ergründen gilt. Ich schaue mir Fotos an von dir, alte Fotos, die Jahre vor mir enstanden. Sie zeigen dich, und doch ist es, als betrachte ich eine völlig andere Person. So wunderbar… damals schon. Auch ohne mich.

Du hast eine Vergangenheit. Aber haben wir eine Zukunft?

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