Bis ich es nicht mehr ertrug
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Stell dir vor, du trägst eine große Last mit dir. Ein Geheimnis, ein Unbehagen, Ängste, Befürchtungen, Altlasten, Sorgen oder Nöte. Von dir und anderen Menschen, die dir am Herzen liegen.

Ich trug sie alle. Tag für Tag auf meinen Schultern, unterm Arm geklemmt – in Kisten verstaut, damit ich den Inhalt nicht sehen musste.

Ich balancierte und versuchte, alles irgendwie im Gleichgewicht zu halten. Doch einige Hürden konnte ich damit nicht meistern – und so brach es alles immer wieder über mir zusammen.

Für die anderen setze ich ein Lächeln auf, ließ mir nichts anmerken. Und wenn doch, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Für mich war das normal, die Unsicherheit im Alltag.

Bis es alles zuviel wurde. Ich nahm meinen Mut zusammen und öffnete eine Kiste. Notgedrungen  zeigte ich sie einer anderen Person. Ich teilte mit ihr deren Inhalt, sie sollte einen Blick in die Kiste werfen.

Die Kisten waren mittlerweile leer.

Die Last ist von mir genommen, die Zuversicht ist zurück. Nein, sie ist zum ersten Mal endlich wieder da.

Ich weiss es, ich freue mich. Ich atme tief durch.

Ich lebe.

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Ich werde dich trösten
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Zwei Tage später. Wir saßen zu zweit auf meinem Bett. Er hielt mich fest, drückte mich an sich.
Ich spürte seinen heißen Atem an meinem Ohr.
Es war, als würdest er flüstern: “Ich brauche dich.”

Denn so war es auch! Ich hatte ihn gebändigt, gezähmt.
Oh Junge, dieser Tiger fraß mir aus der Hand. Er war mir von Kopf bis Fuß verfallen.

Dieser Moment war zu gut, um ihn je enden zu lassen. Ich wollte ihn konservieren, eintüten.
Mein Körper bebte in stiller Vorahnung auf die bevorstehende Nacht. Ich würde ihn nie mehr gehen lassen können.

Ich strich ihm die Träne von der Wange. Knöpfte ihm sein Hemd auf. Strich über seine Bauchmuskeln.
Mit seinen starken Armen beugte er sich über mich. Auf dem Rücken liegen sah ich ihm in die Augen.

So schwach, so verletzlich. Tiefere und ehrlichere Augen als die seinen hatte ich schon sehr lange nicht mehr gesehen.

“Los,” flüsterte ich, “das wird dich trösten.”

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Hereinspaziert
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Du bist mein Untergang, mein Verderben. Meine einzige Hoffnung und die letzte Rettung.

Du hälst mein Leben in der Hand, ziehst die Fäden, steuerst und lenkst mich. Du bist immer hier, bei mir, und all meine Gedanken drehen sich um dich.

Ohne dich bin ich nichts, deshalb bitte ich dich: Tritt endlich in mein Leben.

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Checkliste: Outing
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Er hat sich bei sich selbst geoutet. Er hat sich so akzeptiert, wie er ist. Er hat es seinen Eltern gesagt, seiner Mutter und seinem Vater. Seinen Freunden, seinen Schulkameraden, seinen Bekannten. Alle sollen es wissen, und alle wissen es jetzt.

Er ist stolz und freut sich. Denn jetzt, jetzt können die süßen Jungs kommen!

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Tiger und Bär
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Tiger und Bär trafen sich eines Tages und stellten fest, dass sie einander sehr mochten. Sie beschlossen, gemeinsam ein Stück zu gehen, um zu prüfen, ob sie zueinander passten. Bär war von Natur aus viel unterwegs, und selten waren die Treffen. Gelegentlich sahen sie sich. Wenn sich ihre Wege kreuzten, hielten sie kurz inne für einen Plausch, um sich zu vergewissern, dass sie sich wirklich so gut verstanden, wie sie es in Erinnerung hatten.

Die Zeit verging, aus Frühling wurde Herbst. Im Winter endlich fanden sich beide für einen Spaziergang zusammen. Bär redete vom Heiraten, das freute den Tiger. Er hatte Bär oft vermisst und würde am liebsten immer bei ihm sein.

Sie gingen weiter den Weg entlang, da setzte plötzlich der erste Schnee ein. Bär begann zu zittern, und sagte: “Ich kann mit dir nicht weitergehen. Ob du stehen bleibst oder weitergehst, das liegt bei dir.”

Tiger war verdunwert: “Warum kommst du nicht weiter? Dort vorne ist schon die Hütte. Ich habe eine Decke, sie wird uns wärmen!”

“Ich habe schon so viele Winter erlebt, mehr noch als du”, erklärte der Bär. “Doch die Decke reicht nicht für uns beide, und ich mag sie dir nicht wegnehmen. Du bist jung, du sollst nicht frieren. Ich würde dich nur um deine Wärme bringen.”

“Aber, wir werden uns gegenseitig warm halten!”, rief Tiger.

“Du kennst die Winter nicht so wie ich. Dieser wird sehr kalt werden. Ich werde es nicht schaffen, dich so zu wärmen wie ich sollte.”

“Du bist ja so töricht!”, schrie da der Tiger. Und blieb beim Bär bis zum Frühling.

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