Archiv zum Thema: Erkenntnis

Detaching Love

i realize now that i used to get emotionally attached pretty quickly.
that’s the word for it.
and this i confused with ‚love‘ – or with ‚falling in love‘.

i realize now that hanging on to someone might not have anything to do with actually loving.
in my case, it rather meant depending on someone.
becoming dependent on some stranger.

love is not about that at all. it’s not about dependence, it is about commitment.
love is mutual.
at least, that is what it is supposed to be.

if it is not mutual, it is not love, therefore it is just a waste of time.
beeing emotionally attached, that is.

Coming-Out-of-Age

Das literarische Leporello der 11. Klasse gleicht einer Stock-Photo-Sammlung an künstlichen Weisheiten.
Der Kontext pasteurisiert, der Sinn ultra hocherhitzt, alle Verben verbrannt (das Ergebnis eine 2-).

Was man als Deutschlehrer ignorieren muss: Meine universelle Weisheiten sind jetzt noch länger haltbar. Die bedeutungsleere Worthüllen sind recyclebar, aber kein veganes Gewächshausgemüse ist gehaltvoller als das abgrundtiefe Thema, das die Menschheit schon immer bewegt hat. Es kann nicht verfehlt werden, aber es ist ein himmelhoher Fall.

Das Phrasenschwein der Konsumkritik quillt über vor 50-Cent-Münzen. Individualismus ist schon lange Versandkosten frei lieferbar, doch passt er nicht in meine innere Marktlücke. Kein Mittelmaß gleicht dem anderen. Eichung per Gesetz verboten.

Das Leben studiert, überfliegen Dauerbrenner dann im Billigflug die 70-Stunden-Woche, landen mit 25 ausgebrannt oder sind vor dem Umschwung ausgestiegen. Ziehen ein ins Reihenhaus auf der einsamen Insel.

Ich träume über mich hinaus und nur mein Geist wächst im gleichen Tempo mit. In einst unerreichten Höhen sah ich mich früher selbst von unten. Wir sind die selbe Person, aber wir gleichen uns nicht mehr. Die Zeiten sammeln sich zwischen uns.

Weisheit gibt es weder per Rezept noch im Testament, sondern nur mit der Zeit. Meine innere Zeitreise umspannt Menschenleben, Generationen sterben in mir und werden wieder geboren. Plötzlich existiert alles nebenher.

Heute eine neue Erkenntnis, seit Jahren eine alte Weisheiten. Notiert auf Schmierzettel, flattern sie mir fremd entgegen, wenn ich meinen Geist auswringe. Ich führe kein Tagebuch, ich entdecke mich immer wieder aufs Neue.

Mein Geist gebärt dem Tod eine Mehrzahl. Mein Körper klammert sich noch an das erste Leben. Unsterblichkeit ist ein Fluch, den jeder Aussprechen will. Der Tod eine Reise, die aus dem Katalog gestrichen wurde. Vom Segen des Alterns kann keiner etwas hören, zu laut dröhnt die Schönheit der Jugend.

Menschenskind ist groß geworden. Jetzt will es leben. Auf dem faltigen Papier nur Ratschläge von Alten, aber Erfahrungen sind gelebtes Wissen.

Wenigstens Titten.

Du verlangst eine Richtigstellung (Augustin, Teil 3)

Ok, wow. Ich muss dich erstmal sacken lassen.

Du hast auf meine Blogeinträge reagiert. Du hast mich gefunden, obwohl du hier eigentlich nicht mitliest.

Ich wurde sprachlos, als du auf der Party gestern aufgekreuzt bist.
Eine Sekunde der Freude, ein Moment des Triumphs, sie währte nur kurz. Fremde Jungs tuschelten mit dir, blickten zu mir herüber, dann kamst du auf mich zu.

Es würde dir nicht gefallen, dass ich über dich schreibe. Nur du selbst konntest wissen, dass du gemeint warst.

Aber ich lasse mir nicht das Wort verbieten und für meine Gefühle kann ich nichts.
Sie sind nichts schlechtes und ganz ehrlich: es ist nicht mein Problem, wenn du mit ihnen nicht umgehen kannst.

Das habe ich dir gestern allerdings so nicht gesagt.

Denn es geht hier nicht um uns. Es geht um mich in Bezug auf dich.

Egal, wenn es dir nicht in den Kram passt, dass ich hier so „öffentlich“ meine Gefühle für dich breittrete. Wie ich in Gedanken über dein Liebesleben philosophiere und damit meinen Blog füttere.

Ja, ich geb es zu, ich wusste nicht, was du so treibst und doch geht es mich noch etwas an.
Deshalb tu nicht so, als wäre ich dir peinlich, oder gar meine Gefühle zu dir.
Oder als könnte irgendjemand deine Identität erraten.

Nicht mal J. kann erraten, wer du bist. Oh, ich seh schon, wie Eifersucht in deinen Augen aufblitzt.
Nein, es geht immer noch nicht um J., aber er illustriert perfekt, was du dir nicht einzugestehen trautest: dir behagt nicht das Gefühl, dass ich mich auch mit anderen Jungs treffe.

Gestern hat er schnell reagiert und Abstand gehalten, als er dich gesehen hat.
Damit du bloß nicht auf falsche Gedanken kommst.

Wo wir es gerade davon haben: Du bist derjenige, der mir Hoffnung gemacht hat, der, der den ersten Schritt wagte.
Hast selbst gesagt, dass es dir heute nicht um Sex ging, nicht nur.
Dass wir mehr sind.
Dabei weißt du immer noch nicht, was du willst. Denn küssen, küssen ist nicht.
Das geht dir zu weit.

Dabei musst du es dir nur eingestehen: du willst mich. Noch immer.

Ja, du hast meine Frage noch nicht beantwortet, ich weiß noch immer nicht, was du so treibst.
Und doch geht es mich etwas an. Vor allem, seit der letzten Nacht.

Mein Traum von uns (Augustin, Teil 2)

Du hast auf meinen letzten Blogeintrag nicht reagiert und ich bin nicht überrascht. Doch heute geht es nicht um dich, nicht wirklich. Es geht um mich.

Denn ich habe schon wieder von uns geträumt. Von mir und dir, gemeinsam Arm in Arm. Es fühlte sich so real an, fast, als liefen wir in diesem Moment wahrhaftig die Straße entlang. Und es fühlte sich vor allem richtig an.

Dabei war es nur eine Vorstellung, mein Wunschtraum nach deiner Berührung. Das Aufwachen war ein Schlag bitterer Enttäuschung. Denn man hat uns nie zusammen gesehen, nicht öffentlich. Nicht offensichtlich. Nicht wirklich.

Das ist okay für mich. Du bist nicht geoutet, deine Mutter weiß nicht Bescheid. Deine Kollegen auch nicht. Alles kein Problem, ich war ja für dich da. Besser gesagt: wäre.

Denn sobald ich aus dem Traum erwache und meine Augen öffne, bist du weg und mit dir zerfällt die Illusion einer Vergangenheit, die wir so nie hatten. Nur das stechende Gefühl unserer Trennung bleibt. Und jedes Mal, wenn ich wieder von uns träume, wird es stärker.

Warum ich keinen Freund habe

Ich bin zu wählerisch. Ganz einfach. Ich habe Ansprüche, so wie ihr. Aber ich halte mich selbst nicht für eine Prinzessin.
Ich bin vieles, aber ich bin garantiert nicht dein Traumprinz, dein Retter auf dem Schimmel.

Scheiss auf diese Floskeln, die ich in all euren Profilen lese: Er solle Erfahrung haben, wissen, was er will, euch sagen, wo es lang geht, immer für euch da sein. Gleichzeitig aber soll er noch alle Freiheiten der Welt gewähren, über die eigenen Fehler hinwegsehen und verzeihen. Der euch die Welt nicht nur erklärt, sondern sie euch auch zeigt, euch endlich mal ans Tageslicht zerrt und zwingt, Sport zu treiben, weil ihr selbst den Arsch nicht hochbekommt.

Schluss mit eurem hoffnungslosen Schluchzen und dem Jammern, dass man euch doch endlich eines Besseren belehren solle. Nicht, dass ich etwas per se dagegen habe, ich fühle mit und fülle mit diesen Themen seit Jahren meinen Blog. Her mit positiven Eigenschaften. Man verkauft sich nicht, in dem man sagt, was man nicht kann. Bei der Selbstdarstellung gibt es eine goldene Regel: niemals etwas negatives über sich schreiben und auch keine Verneinungen benutzen. Seid positiv, das negative Gerade übernimmt euer Ex auch ohne, dass ihr das extra ins Profil schreibt.

Ein Übermensch, der Beruf im Erfolg hat und einen durchtrainierten Körper, der auf alles verzichtet, was essbar ist und schmeckt, damit er für euch geil aussieht, während er euch die Schokosoße auf die Plauze träufelt und ihr ihm die Schlagsahne aus den Achseln leckt.

Und natürlich muss er auch noch gut im Bett sein. Also, richtig gut. Oh, ja! Guter Sex passiert, wenn man den Richtigen erwischt. Wenn die Umstände passen. Oder, wenn man nach einer Party besoffen genug ist.
Mag der Schwanz auch noch so groß sein, die Gefühle, die man für eine Person empfindet, zählen mehr als jeder Zentimeter. Guter Sex passiert im Bett, geiler Sex geschieht im Kopf.

Es gibt einfach Menschen, da kribbelt es im Bauch. Das mag ungewohnt sein, aber ich hoffe, ihr habt das schonmal erlebt. Ich habe es. Es war so ungewohnt, dass ich glaubte, mir würde gleich schlecht.

Er soll mich nicht retten, das habe ich selbst hinbekommen. Er soll mich auch nicht zu einem besseren Menschen machen. Ich kann das selbst.

Ich habe lange versucht, all diesen oben genannten, teils widersprüchlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich muss sagen, ich bin auf einem verdammt guten Weg, aber wozu? Ich will mich nicht für ihn verändern müssen. Ich will nicht auf seine Anerkennung und sein Wohlwollen angewiesen sein. Ich habe mich mittlerweile selbst zu schätzen gelernt. Und ich habe Menschen schätzen gelernt, die mich von Anfang an schon so gemocht haben, wie ich bin.

Das Schwere ist nicht, große Ansprüche zu haben und sich das heraus zu picken, was einem gefällt und es dann fallen zu lassen, sobald es schwierig wird. Aber was weiß ich schon. Ich habe keinen Freund.

Ich bin zu wählerisch? Wenn ich mir das recht überlege, scheint es mir eher, als hätte ich gar keine Wahl.

warum ich als schwuler keinen freund habe

Du bist es nicht. Offensichtlich.

Geschockt starre ich in ein Gesicht, da auf dem Bildschirm.
Ich beginne zu zittern. Dabei bin ich eigentlich ruhig. Totenstarr.
Als hätte ich ein Gespenst gesehen, besser gesagt: Dich.

Doch du bist es nicht. Offensichtlich.
Er sieht dir nicht ähnlich, aber er ähnelt dir so unglaublich.
Der gesenkte Kopf beim Reden, diese nachdenkliche, verträumte Art, dann wieder der aufmerksame Blick.
Seine tiefen, dunklen Augen, traurig und voller Geheimnisse, sie schauen mich direkt an.
Das Zittern wird zu einem Beben. Nicht ich wackele, sondern mein Zimmer, die Wände.
Sie beben. Vor Anspannung. Ich erkenne Dich – und alle alten Gefühle flammen wieder auf.

Er ist wie du. Ich glaube es nicht. Er ist wie du.
Es ist, als ob du mich anschaust, als ob ich dir wieder gegenüber sitzen würde, wieder mit dir reden könnte.
Ihr sagtet, ich wäre jemand, den ihr küssen würdet. Zärtlich, auf einer Party.
Ihr seid nicht die selbe Person, doch eine Eigenschaft ist euch gemein: ihr seht keine Zukunft mit mir.
Doch nur er sagte mir unmittelbar ins Gesicht, dass er jemand anderes suche. Nicht mich.

Bis ich es nicht mehr ertrug

Stell dir vor, du trägst eine große Last mit dir. Ein Geheimnis, ein Unbehagen, Ängste, Befürchtungen, Altlasten, Sorgen oder Nöte. Von dir und anderen Menschen, die dir am Herzen liegen.

Ich trug sie alle. Tag für Tag auf meinen Schultern, unterm Arm geklemmt – in Kisten verstaut, damit ich den Inhalt nicht sehen musste.

Ich balancierte und versuchte, alles irgendwie im Gleichgewicht zu halten. Doch einige Hürden konnte ich damit nicht meistern – und so brach es alles immer wieder über mir zusammen.

Für die anderen setze ich ein Lächeln auf, ließ mir nichts anmerken. Und wenn doch, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Für mich war das normal, die Unsicherheit im Alltag.

Bis es alles zuviel wurde. Ich nahm meinen Mut zusammen und öffnete eine Kiste. Notgedrungen  zeigte ich sie einer anderen Person. Ich teilte mit ihr deren Inhalt, sie sollte einen Blick in die Kiste werfen.

Die Kisten waren mittlerweile leer.

Die Last ist von mir genommen, die Zuversicht ist zurück. Nein, sie ist zum ersten Mal endlich wieder da.

Ich weiss es, ich freue mich. Ich atme tief durch.

Ich lebe.

Wunschmalerei

Ich kenne dich kaum, du großer, toller Unbekannter!
Schaue, schiele immer wieder zu dir hinüber.

So viele Fragen schwirren mir durch den Kopf.
Wie toll es aussehen muss, wenn du die Augen schließt und mich küsst.
Wie wunderbar es sich anfühlen wird, wenn du meine Hand hälst, mich umarmst.

So viele Fragen, auf die ich mir eine Antwort geben kann.
So viele Situationen, in denen du wunderbar sein kannst.
So viel weißer Raum, den ich ausmalen kann.

Ich kenne dich nicht.
Aber ich habe mich unweigerlich in dich verliebt.

Ich liebe nicht dich, ich liebe das Mysterium das dich umgibt.
Bis ich dich anspreche.

Ich merke, dass du ein wirklich großes Ego hast.
Das ist es, was dich ausmacht,
das ist es, was du ausstrahlst.

Und das ist es, was ich liebe.
Und ich stelle fest:
du liebst dich noch viel mehr!

Sublimierung

Er lächelt, er grinst, er strahlt vor Freude. Es dringt aus seinem Inneren nach außen. Es scheint, als besitze er eine versteckte Quelle voller Zuversicht. Kraft spendend, für alles, was er sich vornimmt. Wissend grinst er, verheißungsvoll bis in die Mundwinkel.

Er sieht keine Probleme, keine Hindernisse, nein, er sieht Chancen – und er versteht es, diese zu ergreifen und zu nutzen. Er wankt nicht, jeder seine Schritte wirkt leichtfüßig, ja elegant sogar. Er weiß was er will, er hat schon viel erreicht. Seinen durchtrainierten Luxuskörper gab es gratis dazu.

Ich versuche, mit ihm mitzuhalten. Aber meine Batterien besitzen nicht die gleiche Energie, die er an den Tag legt. Einen Tag kann ich Schritt halten, morgen gerate ich ins Straucheln und bleibe auf der Strecke.

Er lacht der Dunkelheit ins Gesicht, verjagt die bösen Geister. Und er zieht das Licht an. Großartige Menschen, die seine Gesellschaft suchen, strahlende Gestalten – und mich, das Häufchen elend.
Er erkennt sofort, wie es mir geht. Das schätze ich so an ihm.

Ich bin verloren. Geistig abwesend, träumend und verdrängend stehe ich da, beobachte ihn.
„Was ist los?“, fragt er. „Lächle mal!“, er kitzelt mich. Ich muss lacheln, dann wehre ich mich und versuche, ihn wegzustoßen.

„Was ist dein verdammtes Geheimnis“, rufe ich. „Verrate es mir! Ich tue alles, was du willst!“

Da wird er ernst, sehr ernst. „Es geht darum, was Du willst. Es ist so einfach! Es verhält sich wie mit diesem Text: mit einem Lächeln fängt es an.“

Ich halte inne… „Und dann? Wie geht es weiter?“
Er zieht mich zu sich. „Dann…“, flüstert er leise und küsst mich.

Wo man Liebe findet

Papa Bär ist groß und stark, sehr erfahren – und steht auf Fisten.

Ich fragte ihn, was er darin denn findet.

Da erklärte er mir: „Weißt du, mit den Jahren wirst du erkennen: Liebe ist Scheisse.“

Wir gehn zusammen den Gang der Gedanken

Ich möchte nicht, dass du mir sagst, ich würde mir zuviele Gedanken machen. Das gehört zu mir, so bin ich nun einmal. Du siehst die Dinge anders, gehst sie lockerer an. Das mag für dich gut funktionieren, aber so bin ich nun einmal nicht.

Ich möchte nicht, dass du versuchst, mich davon abzulenken. Ich mag keine anderen Gedanken haben. Nicht, solange da noch nicht zu Ende gedachte Gedanken warten. Am Ende sprudeln sie nur doch wieder hervor. Und es macht mich ganz verrückt, wenn du so tust, als wären sie nicht da.

Ich möchte, dass mich verstehst, meine Sorgen teilst. Mit mir den Gedankengang zu Ende gehst. Und am Ende auch die Eier hast, mir zu sagen: „Ja, das ist echt eine schöne Scheisse.“

Bildcredit: Walking On The Dream [Explore] von MohammeD BuQuRais bei Flickr

Probieren über Studieren?

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund.
Wir erzählten uns gegenseitig von unserem Liebesleben. Er schien die Jungs wie Unterwäsche zu wechseln, probierte alle einmal an, zog alle einmal aus. Ob Sex oder Beziehung, nichts war von Dauer.
Dann sollte ich von mir erzählen. Doch da gab es nichts. Keinen Sex – und schon gar keine Beziehung.
„Warum?“, wollte er wissen.
„Ach weißt du“, ich nachdenklich, „irgendwie finde ich nicht den Richtigen.“
Da verstand er und sagte: „Ach… Ich auch nicht.“

Pubertäter

Am Anfang krachte und blitzte es – im positiven Sinne. „Wow“, dachte nicht nur ich – „Is der goil“, sagten auch meine Freundinnen. Und so nett! Du hast Humor, du bist witzig und dein Grinsen verrät zwei Dinge: Du bist total niedlich. Dich muss man einfach gern haben! Im Grunde der perfekte Schwiegersohn.

Was die Eltern nicht wissen: Du hast es Faustdick hinter den Ohren. Mehr noch als ich! Du und dein Lausbubengrinsen. Du spielst mit dem Feuer und verbrennst dich dabei doch nie. Es sind die anderen, die sich an dir die Finger verbrennen. Du stehst irgendwie immer mit einer weißen Weste da: Du willst spielen, du willst deinen Spaß – und am Ende zahlen die anderen die Rechnung.

Du gibst einem das Gefühl, alles zu haben, was man sich wünschen kann. Ist man in deiner Gegenwart, ist man genauso toll wie du. Deine Tollheit färbt auf deine Begleitung ab. Du bist ein Geber, du gibst dich her. Du verkaufst dich nicht, aber du teilst dich.

Zu spät merkt man, dass du ein Dorffahrrad bist. Alle wollen mal mit dir fahren. Alle haben sie schon einmal. Dabei bist du schon weit herumgekommen. Egal wen man fragt, egal wo man hinkommt. Erwähnt man deinen Namen, so zeichnet sich ein Grinsen im Gesicht des anderen ab. „Ihn kennen? Klaaar. Wie, du auch??“, so, als hätten sie sich abgesprochen. Kein Wort der Klage, aber ein Wort des Lobes. Ob es dir gut gehe, fragen sie. Als ob ich es wüsste.

Du teilst dich zwar, aber du teilst dich nicht mit! Du bleibst ein Geheimnis. Du versprichst nichts. Jedenfalls nicht mit Worten. Doch dein Grinsen spricht Bände. Willst du spielen, so spielt man mit. Egal, auch wenn man dabei verliert. Dir geht es nicht ums gewinnen. Du hast schon gewonnen. Das ahnt man irgendwie, und du, du weißt es auch! Du zeigst deine Karten nicht, du bluffst, gibst vor, nichts zu wissen. Und dabei bist du eiskalt, eiskalt und berechnend.

Du weißt um deine Wirkung, du weißt um dein Aussehen. Du weckst Begierde, du bist ein Lustobjekt. Eine Trophäe. Es geht darum, dich zu gewinnen. Das weißt du, es ist ein Spiel. Was man nicht ahnt: du hast es erfunden. Du hast die Regeln gemacht. Wer sie nicht kennt, der verliert. Leider hast du sie nicht aufgeschrieben. Schaut man dich an, verliert sich auch sofort jeder Gedanke daran, dass es so etwas überhaupt geben könnte. Du erweckst nicht den Eindruck, als hättest du alles kalkuliert. Man traut es dir auch irgendwie gar nicht zu. Du siehst zu herzig aus, als das man dir böse Absichten unterstellen könnte.

Wenn, dann ist man selbst der Böse, der, der dich heimlich ins Bett kriegen will. Oder schlimmer noch: der, der dich an sich binden will. Du machst einem ein schlechtes Gewissen. Dabei hast du die Schere in deiner Lausbubenhose versteckt, jeder Versuch, dich irgendwo fest zu binden, wird, wenn man gerade nicht hinschaut, von dir zunichte gemacht: du zückst die Schere und *Schwupps* wurde der Bindungsvorgang abgebrochen.

Man wundert sich noch, warum es wohl nicht klappen mag, gibt sich selbst die Schuld. Zweifel kommen auf. Selbstzweifel. Man wird unsicher. Man geht jeden Gesprächsfetzen durch, an den man sich in der Eile noch erinnert. Langsam dämmert es, dass du nie etwas gesagt hast, das einem Sicherheit geben würde, nichts, dass dafür spräche. Du versprichst nichts. Nicht mit Worten.

Du weißt, wieso: weil du deinen Spaß willst, weil du spielen willst. Du kleiner Bengel. Irgendwie wirkst du unreif. Ein kleines Kind, das nicht so recht weiß, was es will. Gehört auch das zu deiner Taktik? Sie wäre genial: Gräbt man nach Indizien für dein kalkuliertes Spiel, so stößt man nur auf das Kind in dir. Beim Graben erwischt man es am Kopf, es fängt an zu weinen und rennt weg. Ein Gespräch wird somit zur Unmöglichkeit. Ein unschuldiges Kind, viel zu naiv um sich so etwas Böses auszudenken. Ein Kind, das unzählige Freunde hat und mit jedem spielt. Wer würde es dir übel nehmen? Man tröstet es sogar noch, weil man der Böse war, und mit der Schaufel zu tief gegraben hat.

Aber langsam reicht es mir! Ich nehme es dir übel. Es ist geplant, es ist durchdacht. Alles! Du bist durchtrieben! Ich habe dich durchschaut!
Hör auf, so frech zu grinsen! Hör auf, diese Spielchen zu spielen! Sonst nehme ich diese Schaufel und brate dir eins über die Rübe! Werde endlich erwachsen! Und fang verdammt nochmal an mich zu lieben!

Clarification

Es ist egal, was ich mache, oder wie lange.
So langweilig die Tätigkeit auch sein mag, unnötig, eintönig.
Egal, ob ich es all die Jahre zuvor gehasst oder unter Zwang gemacht hab.

All das, ganz gleich was – erhält durch dich eine Bestimmung, ein Ziel.
Es leuchtet mir ein, ist selbstverständlich. So und nicht anders hat es zu sein, keine andere Möglichkeit wäre denkbar.

Nein, nicht durch dich, sondern mit dir.
Ich sehe es nun klar, der Sinn, bist du.