Kissenschlacht
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Du sagst, es geht dir nicht gut. Du hast Probleme beim Einschlafen. Gedanken quälen dich. Erinnerungen, Ängste, Sehnsucht. Du fragst, ob es mir ähnlich geht.

Ich frage: Meinst du sowas wie nachts heulen und stumm schreien und aufs Kissen einprügeln und noch mehr heulen, bis man merkt, dass sich auch dadurch nichts ändert?

Ist es so, dass das Ganze dann immer mehr an Bedeutung verliert, je mehr du darüber nachdenkst, weil du Dafür und Dagegen solange gegeneinander aufhetzt, bis sie sich ungewollt einfach im Nichts auflösen?

Hast du dann nur noch feuchte Augen, kannst aber nicht mehr weinen, weil der Grund zwar da, aber mit einem Mal einfach verschwunden ist, vielleicht verdrängt vom Unterbewusstsein?

Und du den Kopf wieder aufs nasse Kissen legst, schlafen willst und die Gedanken kreisen sich nur noch um diesen feuchten Fleck, auf dem deine Wange liegt?

Und der einzige Grund, warum du noch nicht schlafen kannst, der ist, dass das dumme Kissen nass geworden ist?

Meinst du das, frage ich?

Du nickst.

Ich verneine.

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Dipolisation: Mittendrin kalt.
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Die lauben Blätter fallen und die kalten Tage werden kürzer. Und wenn ich dann noch von der Brücke meines Heimatortes aus die hellen, blinkenden, rotierenden Lichter aus der Nachbarstadt sehe, dann weiß ich: Der Jahrmarkt ist da – und mit ihm der Herbst.

Die Stadt verwandelt sich, die Lichter erhellen sie. Menschen kreischen, aus Spaß an der Freude. Menschen drängen sich, reihen sich ein, steigen auf. Ins Karussell, in die Teetassen, ins Riesenrad.

Vor mir steht sie, türmt sich auf: Die Achterbahn der Gefühle. Hinter mir: ein Jahr, das zu Ende geht. Mittendrin ich. Meine Hände kalt. Und niemand, der sie wärmen kann.

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Today Will Be Better, I Swear!
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Der Schmerz jedoch bleibt. Wenn drei Tage schon wie eine Ewigkeit sind, wie verhält es sich erst dann mit 6 Wochen?

Die Antwort lässt sich längst nicht mehr unterdrücken. Spreche ich sie aus, so sprudelt es hervor, doch es sind keine Worte, sondern Tränen.

Die Wahrheit tut weh. Sie sich bewusst zu machen ist nicht einfach. Sie sich ein zu gestehen schmerzt.

Jeden Tag daran zu denken, dass man gar nicht wütend, sondern zutiefst traurig und einsam ist, ist unerträglich.

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Dipolsche Zoologie #1: Jungtiere
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Beginnen wir unsere Reise durch die bunte Artenvielfalt der Tiere mit den Kleinsten: die Jung- oder auch Beuteltiere genannt.

Ihr Augen gewöhnen sich nur langsam an den Anblick der fremdartigen Welt, die sich ihnen nach ihrer Geburt offenbart. Lichtblitze in jeder erdenklichen Farbe und hämmernde Bässe erschweren die Orientierung. Jedoch entgeht ihnen nicht, dass sie nicht alleine sind.

Ihre Artgenossen, die trotz dem männlichen Geschlecht in der Fachsprache mehrheitlich als “Schwestern” bezeichnet werden, liegen auf der Pirsch. Die genauen Absichten vermag auch ein erfahrener Rudelführer nicht immer zu durchschauen.

Mutige Jungtiere wagen bald den ersten Schritt ins Jagdrevier anderer Tiere, und werden leider nur allzu schnell zur leichten Beute.

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Weltreise
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Was nicht zusammen gehört, beginnt ineinander zu verschmelzen
Was sich nie hätte treffen dürfen, kennt sich schon längst
Was bisher keine Rolle gespielt hat, war immer schon präsent

Welten verbinden sich
Welten, nie wirklich getrennt

Doch sucht man nach ihnen, so findet man keine
denn siehe: es gibt nur diese eine.

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Dipolisation: Ein Tag im Zoo
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Nach meinem missglückten Date ging ich neulich ohne Begleitung auf eine Party. Man könnte auch sagen: allein, aber das klingt so traurig.

Unter den vielen Anwesenden müsste ja, rein theoretisch, einer dabei sein,
der zu mir passt. Aber was sich im ersten Moment einheitlich als „Schwulenparty“ zusammenfassen lässt, ähnelt bei längerem Hinsehen eher einem Zoo. Die Artenvielfalt ist unbeschreiblich groß: Da gibt es neben den rosafarbenen Flamingos auch noch Pinkguine, Designer-Gürteltiere, Leder- und Lackaffen, Gieraffen, Muskeltiere, Plapageien, Kackadus, und
noch viele weitere Arten und mit ihren Eigenheiten.

Sie alle zählen zusammen genommen zur „schwulen Familie“ – obgleich keinerlei Verwandtschaft besteht. Das ist nämlich das Besondere: Die Paarungsbereitschaft ist nicht auf eine Art festgelegt, sondern geht beliebig weit über die eigene Art hinaus. Natürlich ist dies nicht allgemein gültig, einige Arten erweisen sich dabei als paarungsinkompatibel. Einige
Lackaffen bleiben lieber unter sich, andere bleiben lieber im eigenen Revier, aus Angst davor von den eigenen Reihen verstoßen zu werden.
[Photo]
Auch die Mehrheit der Jungtiere balzt zunächst lieber mit Ihresgleichen – wobei andere wiederum den reichhaltigen Erfahrungsschatz älterer Herdentiere zu schätzen wissen.
Dann gibt es da natürlich noch die Alphatiere: Sie machen für niemanden „Männchen“ und schon gar nicht die Beine breit. Kennt man sich in der schwulen Zoologie aus, so ist es gar nicht schwer, sich darin zurecht zufinden.

So erkennt das geübte Auge die Schäfchen im Wolfspelz und die süßen Häschen, die nichtahnend in den Tag hinein hoppeln.

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Dipolisation: Zischbar
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Neulich in der Zischbar. Ich traf mich mit einem Jungen. Es sollte ein „Date“ sein. Ich kannte ihn noch nicht lange. Ich habe ihn irgendwo zufällig getroffen einmal, so genau weiß ich das nicht mehr.

Ich hatte schon beim Hinsetzen das Gefühl, ihn viel zu lange zu kennen. Dabei war er auf den ersten Blick ganz niedlich. Etwas hilflos vielleicht.

Nicht die Sorte, auf die ich sonst abfahre – aber man will ja nicht intolerant sein. Aus Höflichkeit habe ich ihn ausreden lassen, ihm zugehört, zustimmend mit dem Kopf genickt. Nicht etwa, um ihn ins Bett zu kriegen, sondern in der Hoffnung, dass er einmal nach Luft schnappen und mich sprechen lassen würde.

Damit meine ich etwas anderes als ein „Ja“ oder „Verständlich“. Einmal konnte ich ein „Ich hätte das Gleiche getan“ dazwischen schieben. Ich mag Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Die wissen, was sie wollen. Und vor allem mag ich diejenigen, die sich nicht alles gefallen lassen und gleich den Schwanz einziehen, wenn es eng wird – und das nicht einmal sexuell gesehen.

Ja, seine letzte Beziehung lief nicht so gut – aber wen interessiert das? Mich nicht. Nicht, dass er für mich gänzlich uninteressant wäre. Aber dieses Gespräch hätte sich genauso gut um die Tragbarkeit von Unterwäsche handeln könnten!

Mist, hatte ich das gerade laut gesagt?
Seine Augen wurden groß, der Mund ging schon auf. Noch bevor ich mich entschuldigen konnte erklärte er mir (den ersten entgeisterten Satz habe ich überhört, den giftigen Blick ignoriert), dass er die Slips (von mir aus auch Boxershorts!), auch gerne mal einen Tag länger anbehalten würde.

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Spann-ung
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Boah! Ich kaue auf meinen Lippen. Knabbere meine Fingernägel. Argh!!

Jemand soll etwas tun. Dieser Anblick ist kaum zu ertragen. Dieser Kerl, der da zwei Reihen weiter vorne mit dem Rücken zu mir sitzt, ist gefährlich. Allein sein Rücken macht mich wahnsinning. Ist das T-Shirt einfach zu klein oder sind es die Rückenmuskeln, die es so spannen?

Er weiß doch genau, was er da tut, wie es aussieht. Nur, welche Wirkung es auf mich hat, das weiß er nicht. Besser so. Je länger ich schaue, desto mehr zittere ich.

Ich will hier raus, doch es geht nicht. Ich darf nicht, sondern muss warten. Ich versuche mich abzulenken, den Blick von diesem Berg von Rücken abzuwenden. Vielleicht die Arme?

Großer Fehler. Da fehlt nämlich der Stoff und Haut ist sichtbar. Richtig Farbe hat er schon bekommen. Die Woche Urlaub hat scheinbar gereicht. Hach, wäre ich doch nur mit ihm mitgekommen. Durfte ich aber auch nicht.

Moah, der Triceps springt mir förmlich ins Gesicht. Soviel Defintion ist bestimmt illegal.

Hilfe, er dreht sich um. Waaaah, das macht mich langsam noch wahnsinning. Ich springe ihm noch an den Hals, wenn nicht bald etwas passiert.

Zu meiner Erleichterung klingelt die Schulglocke, die Unterrichtsstunde ist zuende. Die beklemmende Situation hat ein Ende. Nur an einer Stelle ist es noch eng. Aber sobald ich das Zimmer verlassen habe, wird sich auch die Beule in meiner Hose wieder beruhigen.

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Der Richtige für eine Beziehung
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Er ist nicht fordernd, sondern fördernd. Er hält meine Hand, ohne mich zurückzuhalten.
Er ist mitreißend, ohne mich ins Straucheln zu bringen.
Er ist nicht das, wovon ich immer geträumt habe. Er übersteigt meine Vorstellungskraft.
Er ist mehr Sein als Schein. Er ist ein Mysterium, dass es zu ergründen gilt.
Er ist ein Rätsel, dass mich jeden Tag aufs Neue fragen lässt: “Womit habe ich ihn verdient?”
Dabei offenbart er mir die Gewissheit, dass die Antwort in mir selbst zu finden ist. Und ich weiß ohne Zweifel: Ihm geht es genauso.

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Clarification
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Es ist egal, was ich mache, oder wie lange.
So langweilig die Tätigkeit auch sein mag, unnötig, eintönig.
Egal, ob ich es all die Jahre zuvor gehasst oder unter Zwang gemacht hab.

All das, ganz gleich was – erhält durch dich eine Bestimmung, ein Ziel.
Es leuchtet mir ein, ist selbstverständlich. So und nicht anders hat es zu sein, keine andere Möglichkeit wäre denkbar.

Nein, nicht durch dich, sondern mit dir.
Ich sehe es nun klar, der Sinn, bist du.

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