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Du bist es nicht. Offensichtlich.

Geschockt starre ich in ein Gesicht, da auf dem Bildschirm.
Ich beginne zu zittern. Dabei bin ich eigentlich ruhig. Totenstarr.
Als hätte ich ein Gespenst gesehen, besser gesagt: Dich.

Doch du bist es nicht. Offensichtlich.
Er sieht dir nicht ähnlich, aber er ähnelt dir so unglaublich.
Der gesenkte Kopf beim Reden, diese nachdenkliche, verträumte Art, dann wieder der aufmerksame Blick.
Seine tiefen, dunklen Augen, traurig und voller Geheimnisse, sie schauen mich direkt an.
Das Zittern wird zu einem Beben. Nicht ich wackele, sondern mein Zimmer, die Wände.
Sie beben. Vor Anspannung. Ich erkenne Dich – und alle alten Gefühle flammen wieder auf.

Er ist wie du. Ich glaube es nicht. Er ist wie du.
Es ist, als ob du mich anschaust, als ob ich dir wieder gegenüber sitzen würde, wieder mit dir reden könnte.
Ihr sagtet, ich wäre jemand, den ihr küssen würdet. Zärtlich, auf einer Party.
Ihr seid nicht die selbe Person, doch eine Eigenschaft ist euch gemein: ihr seht keine Zukunft mit mir.
Doch nur er sagte mir unmittelbar ins Gesicht, dass er jemand anderes suche. Nicht mich.

Blaue Illusion und Selbstbetrug:

Hallo, nett, dass du mir schreibst, aber
– du willst doch nur meinen körper
– du bist mir zu alt
– du bist mir zu jung
– du bist mir zu dick
– du bist mir zu dünn
– du bist mir zu muskulös
– du hast zwar muskeln, aber zuviel fett
– du bist zwar dünn, aber hast zu wenig muskeln
– du bist zwar dünn und hast viele muskeln, aber die proportionen stimmen nicht
– bei dir stimmen zwar die proportionen, es sind aber zu wenig muskeln
– du bist blond / braunhaarig / schwarzhaarig.
– du bist zu behaart
– du bist zu unbehaart
– du bist aktiv
– du bist passiv
– du stehst auf socken
– du stehst auf sneakers
– du stehst auf sportswear
– du suchst nach „fun mit junx“
– du studierst nicht
– du studierst, aber kunst
– du studierst medizin, aber bist nur mit lernen beschäftigt
– du studierst medizin, aber hast zeit, mit mir zu chatten ergo: du bist nicht sonderlich ehrgeizig
– du hast medizin studiert, aber hast jetzt kaum zeit wegen des jobs
– du hast geld, aber siehst scheisse aus
– du siehst toll aus, hast aber kein geld
– du hast komplett unterschiedliche interessen wie ich
– du hast die gleichen interessen wie ich, das ist aber langweilig
– du bist nicht geoutet
– du bist geoutet und immer in der szene unterwegs
– du siehst so verbraucht aus
– du siehst so minderjährig aus
– du willst dich nicht mit mir treffen
– du willst mit mir camen
– du willst mit mir bilder tauschen
– du willst telefonsex
– du hast schon einen partner
– dein partner hat mir schon geschrieben
– du bist mit ihm an einem dreier interessiert
– du hast nen partner, suchst aber mal mit mir eine abwechslung
– das bist sicher nicht du auf den fotos
– dein bild kenne ich aus dem porno von belami
– du bist gerade frisch getrennt
– du hast dich schonmal mit mir getroffen, erinnerst dich aber nicht daran
– du hast dich schonmal mit mir getroffen, erinnerst dich aber noch gut daran und willst nochmal
– deine freunde haben mir von dir abgeraten
– du hast psychische probleme
– du badest in selbstmitleid
– du nennst dich „einsamsterjungeaufderwelt85“ und hoffst auf einen erlöser
– du wohnst zu weit weg
– du siehst zu gut aus für mich
– ich such eigentlich was festes

Ein Geschenk von Herzen

Das kleine, selbstzerstörerische Mädchen zitterte, das blutende Messer in ihrer Hand tropfte die Fließen voll.
Die ganze Zeit über trug sie es in sich, nun hielt sie es in der Hand, fühlte die letzten Pumpenschläge. Schwächlich und kaputt war es, abgenutzt.

Sie hatte es zu oft versucht zu verschenken, doch bekam es immer gleich wieder zurück. Sie sinnierte über den Grund der Rückgabe, betrachtete den roten Klumpen: attraktiv sah er nicht aus. War wohl nicht gut genug gewesen, das dumme Ding.

„Damit ist nun Schluss“, dachte sie sich, zermetzelte das nun nicht mehr schlagende Fleisch, tat die Fetzen einzeln in winzige Geschenkpakete, band ein Bändchen drum und schickte es wieder an all die Nicht-Ex-Freunde, die ihr Herz über die Jahre verschmäht hatten.

Und die Moral von der Geschicht? Für die große Liebe reichte sie nicht.

Konstantin, Teil 6 (Karotten und Esel)

Wieso saß ich im Zug? Er war doch gar nicht hier! Er war dort, in seiner Stadt. In seinem Leben. Ein Leben, in das ich einen kleinen Einblick erhaschen konnte. Einen Platz für mich hatte ich nicht entdeckt. Er brauchte mich vielleicht auch gar nicht. Mit Sicherheit brauchte er mich nicht so sehr wie ich ihn!

Sonst hätte er mir ja nicht diesen einen Satz geschrieben, im Chat: „Ich suche zur Zeit keine Beziehung“. Und ich war damit einverstanden gewesen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich ja noch nicht einmal daran, dass eine Person wie er überhaupt real existieren konnte. Erstmal kennen lernen, bevor er wieder einer von denen ist, die etwas von mir wollen, ich aber nicht von ihnen… Ein bisschen in die Stadt, ein bisschen reden, und dann, vielleicht, ein bisschen ins Bett. Wenn er überhaupt so aussah wie auf den Fotos.

Das tat er. Wir verbrachten Stunden in der Stadt, im Park, auf dem Schloss, betrachteten den Sonnenuntergang. Redeten dabei ununterbrochen. Danach verbrachten wir die Nacht miteinander. Ich hatte zuerst noch überlegt, einfach nur das Bett mit ihm zu teilen. Der Tag war wahrlich perfekt genug, da musste ich nicht auch noch intim mit ihm werden.

Dann zog er sich aus, zum Duschen. Wie konnte ich bei dieser Pracht einfach nur tatenlos zusehen?
Ich verwarf den Gedanken.

Ich will weinen, ich will schreien. Was ist denn bitte auch geblieben? Der Kerl ist weg. Genauer gesagt, er war nie richtig da.

An diesem Tag verlor ich nicht nur ihn, sondern auch mein Herz. Ich fasste den Entschluss, noch einmal wiederzukommen – um wenigsten mein Herz zu finden.
Ich ahnte nicht, dass ich mich dabei endgültig in ihm verlieren würde.

ENDE
© Dipol

Konstantin, Teil 5 (Karotten und Esel)

Es herrschte Aufbruchsstimmung. Ich hatte dieses flaue Gefühl im Magen. Schmetterlinge, die so wild hin- und her flatterten, dass mir davon schlecht wurde. Vielleicht war auch noch etwas anderes in meinem Bauch. Etwas, dass den Schmetterlingen die Flügel ausriss. Ich konnte es nicht genau sagen. Das Gefühl jedoch war ein schreckliches.

Lange standen wir noch am Bahnhof. Ein einfaches „Mach’s gut“ brachte auch er nicht über die Lippen. Wir umarmten uns noch zum Abschied. Da war dieses Gefühl wieder! Dann stieg ich ein, er winkte mir noch zu. Der Zug fuhr los, bald war er nicht mehr zu sehen.

Ich wusste sofort: Ich musste ihn wieder sehen, so schnell wie möglich. Doch der Zug zeigte kein Erbarmen, er fuhr stur Richtung Heimat. Mit jedem Meter, den der Zug zurücklegte, wuchs der Drang, wieder zu ihm zurück zu gehen. Ein panisches Gefühl der Hilflosigkeit ergriff mich. Kaum hatte ich mein Glück gefunden, da musste ich es schon wieder gehen lassen – wir hatten kein zweites Treffen vereinbart.

© Dipol

Konstantin, Teil 4 (Karotten und Esel)

Es war noch früh am Morgen. Er schlief, so süß, so unschuldig, so verletzlich. Ich drückte mich fester an ihn. Ich wusste, dass dieser Moment endlich war.

Ich wusste, dass ich das gefunden hatte, was ich mein Leben lang gesucht hatte. Da lag es. Da lag er! Ich wusste auch, dass sich unsere Wege bald wieder trennen würden. Denn wie ich da so lag, kam mir wieder das Gespräch in Erinnerung, das diesem Treffen vorausgegangen war… Ich schlief wieder ein, an ihn gekuschelt.

Sonnenstrahlen weckten mich, nein, es war sein Lächeln. „Gut geschlafen, Kleiner?“, fragte er, neben mir liegend. Ich wusste: eigentlich sollte er arbeiten. Nichts mit Ausschlafen. Das hatte er mir davor schon gesagt. Doch bis zum Mittag blieben wir liegen, kuschelten noch. Dann suchte er mir die Zugverbindung raus.
© Dipol

Konstantin, Teil 3 (Karotten und Esel)

Bisher: Teil 1 | Teil 2 |
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Ich wagte es: langsam glitt meine Hand unter die Bettdecke. Er hatte nichts dagegen. Im Gegenteil. Zögerlich pirschte meine Hand sich vor. Sobald ich i h n erreicht hatte, tat er es mir gleich und begann ebenfalls, sich zärtlich vorzutasten.

Ich vermochte nicht zu sagen, ob es angeborenes Talent war, oder einfach die Erfahrung. Vielleicht auch beides. Zeit genug hatte er ja gehabt, seine Künste zu perfektionieren. Aber interessierte mich das überhaupt in diesem Moment? Doch dann, als er ihn in den Mund nahm, wurde ich fast überwältigt von diesem Gefühl. Woher konnte er das?

Er drängte sich nicht auf. Er wusste, dass ich noch nicht sehr erfahren war. Es blieb zärtlich. Wir kuschelten. Er war so schön warm, fast heiß. Ich hatte immer noch Lust diesen Körper zu berühren, zu streicheln. Langsam strich ich mit meiner Hand auf der einen Seite, von der Achsel bis zum Becken, hinauf und dann wieder hinab.

Er fand es sehr angenehm und nannte es fortan ******. Für mich war es etwas Einzigartiges. Etwas, das nur zwischen ihm und mir existieren sollte. Ich wollte und würde diese kleine Geste gegenseitiger Zuneigung keinem anderen schenken…

© Dipol
::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt!

Konstantin, Teil 2 (Karotten und Esel)

Später, in seinem Zimmer dann: kleines Bett. Körperkontakt garantiert. Luxuskörperkontakt! Musik, gedämmtes Licht. Vorsichtiges Herantasten. „Massage?“, fragte er. Ich spürte den festen Griff trainierter Hände, die wussten was sie taten. Ein Meister war am Werk, mein Rücken die Leinwand. Ich könnte mich darin verlieren.

„Jetzt du“, sagte er. Massieren? Das hatte er bisher noch nie so richtig getan. Doch da lag er schon auf dem Bauch. Was für ein Anblick. Meine Hände hatten plötzlich nichts mehr dagegen seinen Rücken zu berühren. Sie wollten es. Ich wollte es. Dieser Rücken, diese Haut. Ein süßlicher Geruch von Kokosnuss entströmte ihr. Ich sog ihn tief auf.

Irgendwann in der Nacht. Wir lagen eng aneinander. Das kleine Bett hatte doch etwas Gutes. Allein der Anblick dieses Körpers erregte mich. Ich musste es einfach wagen. Würde ich nicht den ersten Schritt machen… diese Gelegenheit würde sich mir sicher nicht so schnell wieder bieten!
© Dipol
::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt.

Teil 1

Konstantin, Teil 1 (Karotten und Esel)

Ich will weinen, ich will schreien. Was ist denn bitte auch geblieben? Der Kerl ist weg. Genauer gesagt, er war nie richtig da.

Immer die Reisetasche griffbereit, den Koffer voller Klamotten, den er nie auspacken wollte. Dabei war ich es, der ihn besucht hatte. Damals. Bei diesem einen Mal. Nicht mein erstes, aber dafür mein schönste Mal.

Mhh… Dieser Kuss. Es fühlte sich gut an. Es fühlte sich richtig an. Dieses Gefühl der Vertrautheit, dass bis jetzt immer gefehlt hatte. Und dazu dieser Körper – sowas bekam ich doch sonst nur im Katalog zu sehen.

Aber der Reihe nach: Ich traute mich erst gar nicht, seinen Körper anzufassen. Schüchtern war ich, und in seiner Gegenwart gleich doppelt. Dreifach! Duschen? Gemeinsam? Das ging mir… zu schnell. Mein Körper war nichts im Vergleich zu seinem. Er würde mich nicht schön finden. Vielleicht würde er sich das mit der gemeinsamen Nacht dann noch einmal überlegen. Dieses Risiko konnte ich nicht eingehen.

Er wohnte im Wohnheim. Wir schlichen den Flur entlang zu den Duschen. „Nein!“, ich wollte wirklich nicht mit ihm duschen. Ich konnte es nicht. Dass es schon während des Duschens zum Austausch von Zärtlichkeiten kommen könnte, daran dachte ich gar nicht. Ich war ja noch so unerfahren.

© Dipol
::::::::::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt.

Vereinsarm

Ich warte auf den einen, mit dem die Einsamkeit erträglich wird. Frust.
Ich bin gefrustet. Ich muss es mal so deutlich sagen,
sonst denkt wieder jemand, hinter einer Metapher schreie ich eigentlich nur laut „FICKEN“.
Nein, das tue ich nicht. Ich will eigentlich nur meine Ruhe.
Genau. Lasst mich bitte in Ruhe. Danke.

Halt. Moment.

Es ist ja nicht so, dass ich keine Menschen mag.
Ich mag sie, aber nicht dauernd.
Und auch meist dann nur, wenn ich gute Laune habe
und / oder ich gerade etwas tolles gegessen habe
(hängt evt mit dem Blutzuckerspiegel zusammen, ich bin kein Arzt).
Oder sich mein generell lebenswert anfühlt.
Wenn ich mich wertvoll fühle.
Wertvoll genug, um gute Laune zu habe, sie nicht nur zu heucheln.
Lächeln kostet mich nichts, nur Kraft.

Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht dauernd meine Augen offen,
als scannte ich nicht jeden Körper, jedes Gesicht und (so gut es geht) jeden Geist.
Charakter, oder wie man das nennt.
So ein einfacher Scan, darin bin ich recht gut, wenn auch nicht perfekt,
ergab leider bisher: nichts.

Nichts in Reichweite, nichts greifbares, alles unerreichbar,
furchtbar weit weg, oder nicht gewillt oder einfach zu feige.
Mehr als betteln kann ich nicht, aber dem bin ich überdrüssig,
davon habe ich mich emanzipiert.

Was nützt mir eine gewünschte Beziehung, die in meinem Kopf so hoch perfekt ist,
und sie in der Realität mehr als „gut genug“ wäre,
doch das reale Gegenstück mir ein einziges Signal sendet: nämlich keins.
Warten kostet mich nichts, nur Zeit.

Aber es erspart mir die Enttäuschung,
die kommt nämlich erst, wenn das Warten vorbei ist:
Wenn endlich, wie in Zeitlupe, die Illusion auf dem Boden der Tatsachen zerschellt ist.
Wenn sich alles auflöst und alle Mühe, alle Kraft, alle Arbeit, alle Hoffnung
– alles sich als das entpuppt, was es war: nämlich nichts.

Was ich sagen möchte, aber nicht dir im speziellen und schon gar nicht euch im Allgemeinen: Ich bin so schrecklich einsam. Und keiner da, der das ändern darf.

Der Schlüssel der Pandora

Seit Wochen kein Wort gesprochen,
Sekunden werden zu Stunden
Anschreiben, mich melden.
Ich will es. so sehr.
Doch die Büchse der Pandora ist zu.
Sie trägt die Hoffnung in sich.

Doch auch alles Schlechte meiner Welt.
Ich will wissen, wie es dir geht.

Doch dich zu treffen, wird mein Verderben sein.
Egal, wie weit wir voneinander getrennt sind.

In Gedanken trage ich dich bei mir.
Das muss reichen. Ich darf es dir nicht sagen, sonst ist es um mich Geschehen.

Ich stürze mich in meinen Untergang, zu groß ist die Versuchung.
Jedes Mal aufs Neue.

24. Dezember: Bindungen lösen, Knoten aufdröseln. Merry Christmas!

Bindungen lösen, Knoten aufdröseln. Das Band ist zerrissen.
Die Verbindung getrennt. Das Paket schütteln. Geschenkpapier zerreissen.
Die bezaubernde Verpackung vernichten. Tief in das Innere blicken.
Frei von Erwartungen. Nicht enttäuscht sein.
Vor Freude übermannt sein. Dankbarkeit spüren.
Süßes naschen. Sich den Bauch vollschlagen.
In den Nachhimmel blicken. Den hellsten Stern entdecken.

In Gedanken bei ihm sein.

Fröhliche Weihnachten wünschen.

14. Dezember: Schwermütig an manchen Tagen

Durchhalten, warten auf Erfolg. Im Minutentakt den Kontostand prüfen, oder das Gayromeo-Postfach. Je nachdem, wo die Prioritäten liegen.
Hat man das eine, fehlt das andere. Oder man fühlt sich leer, weil alles fehlt.
An manchen Tagen ist man einfach etwas schwermütiger.
Hoffen, weiteratmen, weitermachen.

Heute im Dipolschen Adventskalender: „Broken“ ein Musikvideo zum gleichnamigen Song von Lighthouse.

Emails, die ich Dir nie schickte

Zum Wochenende bzw. deiner SMS sollte ich vielleicht noch was sagen, obwohl sich ein Teil von mir weigert, da groß drüber nachzudenken. Der andere Teil jedoch grast gerade gedanklich die Vergangenheit ab: heute, als ich unter der Dusche stand, begann dieser Teil zu zählen, wie oft du mich schon hast hängen lassen – ich habe ihn bei Nummer 10 gestoppt.

Darunter fallen einige wichtige Ereignisse in meinem Leben, die ich gerne mit dir geteilt hätte. Die guten Momente, Erfolge, wichtige Veränderungen, Geburtstage – allen voran meinen. Die Tage im Leben, an denen ich dich gerne vorgestellt hätte, als meinen Freund. Hätte mit dir angegeben, wäre heimlich stolz auf dich gewesen.

In meinen dunklen Momenten fehltest du ebenso. Ich habe geweint. Ob wegen dir oder weil ohne dich, ich weiß es nicht. Ängste, Panik, Verzweiflung, ich musste diese Wege allein bestreiten.

Und ich weigere mich zu glauben, dass du bei anderen Leuten ebenso sorglos bist. Diese Leute sind deine Freunde, für diese Leute schmeißt du Partys oder fährst mit ihnen Riesenrad. Für sie lässt du alles stehen und liegen. Dagegen gibt es nichts zu sagen.

Aber auf der anderen Seite muss ich mich damit vergleichen und mich fragen, wo ich stehe. Ich muss mich fragen, ob ich darin einen Platz finden werde. Ob ich darin überhaupt einen Platz finden kann. Ich ahne zwar, wie du aufgestellt bist, aber ich was mich angeht, tappe ich komplett im Dunkeln.

Ich hatte auf eine Erleuchtung gehofft, ein gemeinsames Ziel, ein Weg, den wir gemeinsam bestritten hätten. Ich hatte uns in so vielen Rollen gesehen. Doch das sind Fantasien. Die Realität zeigt ein anderes Bild. Von uns existiert bis jetzt noch nicht einmal ein gemeinsames Foto.

 

 

 

Im Dipolschen Adventskalender gibt es nur Süßes und Zuckerschlecken!
Mein Emailpostfach beinhaltet neben vielen tollen Mails auch einige im Ordner „Entwürfe“. Ihnen gemein ist ein gemeinsamer Adressat und die Tatsache, dass dieser sie nie bekam.

Die Adresse des Postfaches sowie alle anderen Kontaktmöglichkeiten (vom Gayromeoprofil mal abgesehen) findest Du übrigens hier.

Ein Moment mit dir

Zuerst fand ich dich doof.
Du entsprichst nicht meinem Idealbild eines Mannes.
Du bist kein Alphamännchen, kein Covermodel, kein Holzfäller.

Laut, auffällig, anstrengend.
Bloß nicht, bloß nicht!
Und doch, du hast mein Interesse geweckt.

Vielleicht war es einer dieser seltenen Momente,
hoch konzentriert und in die Ewigkeit gedehnt.
Ein Satz, ein Lächeln, dann zündete der Funke.

Wir unterscheiden uns bestimmt in vielen Dingen,
Sind komplett verschieden.
Vielleicht bist du gefühlvoll und mitreißend.

Ich weiß noch nicht einmal, ob du schwul bist.
Warum lächelst du mich immer an, wenn wir uns begegnen?
Ach, ich bin gerne bereit, es bei einem Drink herauszufinden.

Es wird besser werden! Irgendwann.

Karotte Dezember, 2005

Dass ich mein Leben nicht schon beendet, lag nicht an dem Rückhalt, den ich bei meinen Freunden gefunden hatte. Nicht an meiner Familie, die mir Trost und Kraft spendete. Nicht an den guten Erfahrungen, die mein Leben bisher lebenswert gemacht hatten.

Nichts davon war der Grund, denn nichts davon existierte.

Es lag wohl vielmehr daran, dass ich nach wie vor fest daran glaubte, eines Tages die große Liebe zu finden. Ich würde den Jungen meiner Träume treffen, mich in ihn verlieben und er sich in mich, und dann würde endlich alles gut werden.

Denn was für den kleinen dicken Jungen in diesem Moment, in den letzten Minuten des Jahres 2005, so wichtig und so grundlegend war, war nicht etwa die Tatsache, dass er schwul war. Nein, viel schlimmer war: Ich war allein.

November, 2010

Ich bin noch nicht der, der ich sein will.
Ich weiß nämlich noch gar nicht, wer ich eigentlich bin.
Aber ich weiß, dass ich nicht wertlos bin.
Ich bin es wert, geliebt zu werden.

Ich bin noch nicht dort, wo ich hin will.
Ich weiß nämlich noch nicht so genau, wo das eigentlich ist.
Aber ich habe einen Ort gefunden, wo ich es gerne aushalte.
Ein Zwischenhalt auf meinem weiteren Weg.

Ich bin noch nicht mit dem zusammen, mit dem ich zusammen sein will.
Ich weiß nämlich auch gar nicht, ob das überhaupt was wird.
Aber ich weiß, dass ich dich lieben kann.

Es wurde besser.
Es wird noch besser werden.
Mit ihm. In einer anderen Stadt. Irgendwann.

Und bei dir?


http://www.itgetsbetter.org/

Das Markenzeichen

Kuschelnd wärmten wir uns, küssend teilten wir uns ein Bett.
Heiß waren die Nächte, heiß war dein Körper, unvergleichlich die Wärme, die ich spürte.
Die Betten wechselten, das muss keiner wissen, aber die Handlung blieb gleich.

Als Team erklommen wir zahlreiche Höhepunkte. Lange schossen wir zusammen durch die Lande.
Es war intim, meist privat. Oft blieben wir unter uns, exklusiv wurden wir aber nie.
Habe vieles von dir gelernt, von deiner Erfahrung profitiert.

Du bist ein gefragte Lehrmeister, zeigst allen, wo es lang geht.
Ich war ein williger Schüler, dankbar über jede Lektion, über jede Stunde unter dir.
Der Preis, den ich zahlte, war hoch.

Beinahe trieb es mich in den Ruin. Mein Herz war wertlos für dich.
Hinterrücks branntest du mir eine Narbe ein.
Niemand kann sie sehen.

Wie schreibe ich ihn im Chat an?

Blau leuchtet mir die Internetseite entgegen, grün blinkt der Onlinestatus meinen neuen Schwarms.
Meine große Liebe! Er, der mein Herz schneller schlagen lässt.
Doch wie lasse ich es ihn wissen? Wie stelle ich den ersten Kontakt her?

Tausende Satzbrocken schwirren mir durch den Kopf.
Ich stelle mir vor, wie wir heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen und dabei unverschämt glücklich sind.
Aber soll ich so meine erste Nachricht befüllen?

Wie überzeuge ich ihn davon, sich mit mir zu treffen?
Komplimente über seinen Hammerkörper scheinen mir zu oberflächlich, aber seinen Charakter kenne ich noch nicht. Wenn sein Profiltext es zulässt, er ein paar Angaben über sich gemacht hat, könnte ich darauf eingehen.

Vorsicht ist geboten: die offensichtlichen Sprüche, das naheliegendste, hat er garantiert schon gehört.
Ich will ihn aber überraschen, ihn aus seiner Deckung locken und seine Neugier wecken.

Oder ich warte, bis er seinen Status auf „Sex“ ändert. Dann reicht ein simples „Ficken?“, und wir lernen uns in gegenseitigem Einverständnis kennen – wenn nicht gleich auswändig, dann doch immerhin von innen.

Komplett Puzzlegeil

Auf einer Party beginne ich noch vor dem Kennenlernen damit, den heißen Typ bis kleinste Detail zu mustern, um mir ein umfassendes Bild bilden zu können.
Auch wenn ich ihn eigentlich als Ganzes betrachten wollte, muss ich feststellen, dass sich
Vergangenheit und Charakter eines Mannes meist aus mehreren Teilen zusammensetzen.

Der Anspruch: Widerspruchsfrei und komplett soll das Bild bitte bleiben,
und sich mit meinem ersten, makellosen Eindruck decken.
Klar, dass ich mich zuerst auf das Offensichtliche beschränken muss,
das Wesentliche offenbart sich mir dann nach und nach.

Aufmerksam sammle ich alles, was ich bekomme: Sätze, Gesten, Charakterzüge…

Aber sind es die Details, in die ich mich verlieben will?
Ist es nicht vielmehr das große Ganze, das mir sofort den Atem raubt?
Ich beziehe mich da auf seine Erscheinung, sein Auftreten, ja seine Präsenz.

Wehe, wenn ich merke, dass das wichtigste Puzzleteil fehlt, weil das Teil mit dem Herz noch beim Ex liegt!
Oder schlimmer: wenn am Ende das beste Stück zu kurz kommt!
Denn es gilt, möglichst früh am Abend zu checken, bei welchem Mann viel Potenzial vorhanden ist, und wo noch viel Potenz verborgen liegt.