Man liebt sich und macht Liebe.
Im besten Fall entfaltet sich dabei auch noch die Macht der Liebe.
Aber hey, es geht auch ohne.
Aus unzähligen Pornos habe ich gelernt:
Schöne Menschen haben schönen Sex. Einfach so.
Unbehaart, eben volljährig, spindeldürr und mit dicken Gliedmaßen.
Hauptsache ER ist schön. Sein Schwanz, sein Hinterteil, sein Hodensack, seine Bauchmuskeln, sein Körperfettanteil, sein Kopfhaar.
Nur schöne Menschen haben guten Sex.
Klar, ich will auch keine hässlichen Menschen beim Sex zugucken.
Da mach ich zu Not auch lieber das Licht aus.
Ja, Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.
Aber davon, dass man das Gleitgel auch nach dem Duschen nicht vollständig aus dem Arsch bekommt, erfährt man nichts.


Stell dir vor, du trägst eine große Last mit dir. Ein Geheimnis, ein Unbehagen, Ängste, Befürchtungen, Altlasten, Sorgen oder Nöte. Von dir und anderen Menschen, die dir am Herzen liegen.
Ich trug sie alle. Tag für Tag auf meinen Schultern, unterm Arm geklemmt – in Kisten verstaut, damit ich den Inhalt nicht sehen musste.
Ich balancierte und versuchte, alles irgendwie im Gleichgewicht zu halten. Doch einige Hürden konnte ich damit nicht meistern – und so brach es alles immer wieder über mir zusammen.
Für die anderen setze ich ein Lächeln auf, ließ mir nichts anmerken. Und wenn doch, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Für mich war das normal, die Unsicherheit im Alltag.
Bis es alles zuviel wurde. Ich nahm meinen Mut zusammen und öffnete eine Kiste. Notgedrungen zeigte ich sie einer anderen Person. Ich teilte mit ihr deren Inhalt, sie sollte einen Blick in die Kiste werfen.
Die Kisten waren mittlerweile leer.
Die Last ist von mir genommen, die Zuversicht ist zurück. Nein, sie ist zum ersten Mal endlich wieder da.
Ich weiss es, ich freue mich. Ich atme tief durch.
Ich lebe.
Durch die Dunkelheit hallen meine Schritte, das Holz knarzt, als ich die Bühne betrete.
Es blendet auf, das Scheinwerferlicht, beleuchtet mich frontal.
Ich habe ein Mikrofon, bin betrunken und gestehe.
Macht doch was ihr wollt!
Es betrifft mich nicht, denke ich oft. Denn ich bin anders.
Nicht so wie ihr!
Ich kenne euch nicht und will eigentlich auch nichts mit euch zu tun haben.
Klar, ich mag Gesellschaft, am liebsten in starken Armen, in denen ich mich geborgen fühlen kann.
Aber ich bin überzeugt, dass ich mich mit keinem von euch so fühlen kann.
Lasst mich allein, denn ich bin allein!
Kein Applaus, nur Stille. Ist das Publikum anwesend?
Ich weiß nicht wohin, ich weiß nur: wenn ich jetzt hier stehen bleibe, komme ich nie mehr fort.

Dieser Artikel ist episch. Episch, wegen seiner enormen Länge. Episch, weil es endlich an der Zeit war, dass ich diesen Text schreibe. Episch, weil er endlich mal Klartext über das heutige Schwulsein redet.
Ernsthaft, ich habe Glee kennen und lieben gelernt. Glee, das ist die Serie im US-TV, die neben Gesangseinlagen auch eine hohe Minderheitenquote aufweist.
So finden wir, neben dem Jungen im Rollstuhl, der übergewichtigen und stimmgewaltigen Schwarzen Afroamerikanerin und der schwangeren Cheerleaderin, auch den modebewussten, sensiblen Schwulen, der auf den singenden Quarterback steht, ohne wirklich auch nur den Hauch einer Chance bei ihm zu haben.
Ernsthaft. Damit soll ich mich identifizieren?

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