Monthly Archives: April 2011

Konstantin, Teil 6 (Karotten und Esel)

Wieso saß ich im Zug? Er war doch gar nicht hier! Er war dort, in seiner Stadt. In seinem Leben. Ein Leben, in das ich einen kleinen Einblick erhaschen konnte. Einen Platz für mich hatte ich nicht entdeckt. Er brauchte mich vielleicht auch gar nicht. Mit Sicherheit brauchte er mich nicht so sehr wie ich ihn!

Sonst hätte er mir ja nicht diesen einen Satz geschrieben, im Chat: „Ich suche zur Zeit keine Beziehung“. Und ich war damit einverstanden gewesen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich ja noch nicht einmal daran, dass eine Person wie er überhaupt real existieren konnte. Erstmal kennen lernen, bevor er wieder einer von denen ist, die etwas von mir wollen, ich aber nicht von ihnen… Ein bisschen in die Stadt, ein bisschen reden, und dann, vielleicht, ein bisschen ins Bett. Wenn er überhaupt so aussah wie auf den Fotos.

Das tat er. Wir verbrachten Stunden in der Stadt, im Park, auf dem Schloss, betrachteten den Sonnenuntergang. Redeten dabei ununterbrochen. Danach verbrachten wir die Nacht miteinander. Ich hatte zuerst noch überlegt, einfach nur das Bett mit ihm zu teilen. Der Tag war wahrlich perfekt genug, da musste ich nicht auch noch intim mit ihm werden.

Dann zog er sich aus, zum Duschen. Wie konnte ich bei dieser Pracht einfach nur tatenlos zusehen?
Ich verwarf den Gedanken.

Ich will weinen, ich will schreien. Was ist denn bitte auch geblieben? Der Kerl ist weg. Genauer gesagt, er war nie richtig da.

An diesem Tag verlor ich nicht nur ihn, sondern auch mein Herz. Ich fasste den Entschluss, noch einmal wiederzukommen – um wenigsten mein Herz zu finden.
Ich ahnte nicht, dass ich mich dabei endgültig in ihm verlieren würde.

ENDE
© Dipol

Konstantin, Teil 5 (Karotten und Esel)

Es herrschte Aufbruchsstimmung. Ich hatte dieses flaue Gefühl im Magen. Schmetterlinge, die so wild hin- und her flatterten, dass mir davon schlecht wurde. Vielleicht war auch noch etwas anderes in meinem Bauch. Etwas, dass den Schmetterlingen die Flügel ausriss. Ich konnte es nicht genau sagen. Das Gefühl jedoch war ein schreckliches.

Lange standen wir noch am Bahnhof. Ein einfaches „Mach’s gut“ brachte auch er nicht über die Lippen. Wir umarmten uns noch zum Abschied. Da war dieses Gefühl wieder! Dann stieg ich ein, er winkte mir noch zu. Der Zug fuhr los, bald war er nicht mehr zu sehen.

Ich wusste sofort: Ich musste ihn wieder sehen, so schnell wie möglich. Doch der Zug zeigte kein Erbarmen, er fuhr stur Richtung Heimat. Mit jedem Meter, den der Zug zurücklegte, wuchs der Drang, wieder zu ihm zurück zu gehen. Ein panisches Gefühl der Hilflosigkeit ergriff mich. Kaum hatte ich mein Glück gefunden, da musste ich es schon wieder gehen lassen – wir hatten kein zweites Treffen vereinbart.

© Dipol

Konstantin, Teil 4 (Karotten und Esel)

Es war noch früh am Morgen. Er schlief, so süß, so unschuldig, so verletzlich. Ich drückte mich fester an ihn. Ich wusste, dass dieser Moment endlich war.

Ich wusste, dass ich das gefunden hatte, was ich mein Leben lang gesucht hatte. Da lag es. Da lag er! Ich wusste auch, dass sich unsere Wege bald wieder trennen würden. Denn wie ich da so lag, kam mir wieder das Gespräch in Erinnerung, das diesem Treffen vorausgegangen war… Ich schlief wieder ein, an ihn gekuschelt.

Sonnenstrahlen weckten mich, nein, es war sein Lächeln. „Gut geschlafen, Kleiner?“, fragte er, neben mir liegend. Ich wusste: eigentlich sollte er arbeiten. Nichts mit Ausschlafen. Das hatte er mir davor schon gesagt. Doch bis zum Mittag blieben wir liegen, kuschelten noch. Dann suchte er mir die Zugverbindung raus.
© Dipol

Konstantin, Teil 3 (Karotten und Esel)

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Ich wagte es: langsam glitt meine Hand unter die Bettdecke. Er hatte nichts dagegen. Im Gegenteil. Zögerlich pirschte meine Hand sich vor. Sobald ich i h n erreicht hatte, tat er es mir gleich und begann ebenfalls, sich zärtlich vorzutasten.

Ich vermochte nicht zu sagen, ob es angeborenes Talent war, oder einfach die Erfahrung. Vielleicht auch beides. Zeit genug hatte er ja gehabt, seine Künste zu perfektionieren. Aber interessierte mich das überhaupt in diesem Moment? Doch dann, als er ihn in den Mund nahm, wurde ich fast überwältigt von diesem Gefühl. Woher konnte er das?

Er drängte sich nicht auf. Er wusste, dass ich noch nicht sehr erfahren war. Es blieb zärtlich. Wir kuschelten. Er war so schön warm, fast heiß. Ich hatte immer noch Lust diesen Körper zu berühren, zu streicheln. Langsam strich ich mit meiner Hand auf der einen Seite, von der Achsel bis zum Becken, hinauf und dann wieder hinab.

Er fand es sehr angenehm und nannte es fortan ******. Für mich war es etwas Einzigartiges. Etwas, das nur zwischen ihm und mir existieren sollte. Ich wollte und würde diese kleine Geste gegenseitiger Zuneigung keinem anderen schenken…

© Dipol
::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt!

Konstantin, Teil 2 (Karotten und Esel)

Später, in seinem Zimmer dann: kleines Bett. Körperkontakt garantiert. Luxuskörperkontakt! Musik, gedämmtes Licht. Vorsichtiges Herantasten. „Massage?“, fragte er. Ich spürte den festen Griff trainierter Hände, die wussten was sie taten. Ein Meister war am Werk, mein Rücken die Leinwand. Ich könnte mich darin verlieren.

„Jetzt du“, sagte er. Massieren? Das hatte er bisher noch nie so richtig getan. Doch da lag er schon auf dem Bauch. Was für ein Anblick. Meine Hände hatten plötzlich nichts mehr dagegen seinen Rücken zu berühren. Sie wollten es. Ich wollte es. Dieser Rücken, diese Haut. Ein süßlicher Geruch von Kokosnuss entströmte ihr. Ich sog ihn tief auf.

Irgendwann in der Nacht. Wir lagen eng aneinander. Das kleine Bett hatte doch etwas Gutes. Allein der Anblick dieses Körpers erregte mich. Ich musste es einfach wagen. Würde ich nicht den ersten Schritt machen… diese Gelegenheit würde sich mir sicher nicht so schnell wieder bieten!
© Dipol
::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt.

Teil 1

Konstantin, Teil 1 (Karotten und Esel)

Ich will weinen, ich will schreien. Was ist denn bitte auch geblieben? Der Kerl ist weg. Genauer gesagt, er war nie richtig da.

Immer die Reisetasche griffbereit, den Koffer voller Klamotten, den er nie auspacken wollte. Dabei war ich es, der ihn besucht hatte. Damals. Bei diesem einen Mal. Nicht mein erstes, aber dafür mein schönste Mal.

Mhh… Dieser Kuss. Es fühlte sich gut an. Es fühlte sich richtig an. Dieses Gefühl der Vertrautheit, dass bis jetzt immer gefehlt hatte. Und dazu dieser Körper – sowas bekam ich doch sonst nur im Katalog zu sehen.

Aber der Reihe nach: Ich traute mich erst gar nicht, seinen Körper anzufassen. Schüchtern war ich, und in seiner Gegenwart gleich doppelt. Dreifach! Duschen? Gemeinsam? Das ging mir… zu schnell. Mein Körper war nichts im Vergleich zu seinem. Er würde mich nicht schön finden. Vielleicht würde er sich das mit der gemeinsamen Nacht dann noch einmal überlegen. Dieses Risiko konnte ich nicht eingehen.

Er wohnte im Wohnheim. Wir schlichen den Flur entlang zu den Duschen. „Nein!“, ich wollte wirklich nicht mit ihm duschen. Ich konnte es nicht. Dass es schon während des Duschens zum Austausch von Zärtlichkeiten kommen könnte, daran dachte ich gar nicht. Ich war ja noch so unerfahren.

© Dipol
::::::::::::::::::::::::::: Fortsetzung folgt.

Vereinsarm

Ich warte auf den einen, mit dem die Einsamkeit erträglich wird. Frust.
Ich bin gefrustet. Ich muss es mal so deutlich sagen,
sonst denkt wieder jemand, hinter einer Metapher schreie ich eigentlich nur laut „FICKEN“.
Nein, das tue ich nicht. Ich will eigentlich nur meine Ruhe.
Genau. Lasst mich bitte in Ruhe. Danke.

Halt. Moment.

Es ist ja nicht so, dass ich keine Menschen mag.
Ich mag sie, aber nicht dauernd.
Und auch meist dann nur, wenn ich gute Laune habe
und / oder ich gerade etwas tolles gegessen habe
(hängt evt mit dem Blutzuckerspiegel zusammen, ich bin kein Arzt).
Oder sich mein generell lebenswert anfühlt.
Wenn ich mich wertvoll fühle.
Wertvoll genug, um gute Laune zu habe, sie nicht nur zu heucheln.
Lächeln kostet mich nichts, nur Kraft.

Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht dauernd meine Augen offen,
als scannte ich nicht jeden Körper, jedes Gesicht und (so gut es geht) jeden Geist.
Charakter, oder wie man das nennt.
So ein einfacher Scan, darin bin ich recht gut, wenn auch nicht perfekt,
ergab leider bisher: nichts.

Nichts in Reichweite, nichts greifbares, alles unerreichbar,
furchtbar weit weg, oder nicht gewillt oder einfach zu feige.
Mehr als betteln kann ich nicht, aber dem bin ich überdrüssig,
davon habe ich mich emanzipiert.

Was nützt mir eine gewünschte Beziehung, die in meinem Kopf so hoch perfekt ist,
und sie in der Realität mehr als „gut genug“ wäre,
doch das reale Gegenstück mir ein einziges Signal sendet: nämlich keins.
Warten kostet mich nichts, nur Zeit.

Aber es erspart mir die Enttäuschung,
die kommt nämlich erst, wenn das Warten vorbei ist:
Wenn endlich, wie in Zeitlupe, die Illusion auf dem Boden der Tatsachen zerschellt ist.
Wenn sich alles auflöst und alle Mühe, alle Kraft, alle Arbeit, alle Hoffnung
– alles sich als das entpuppt, was es war: nämlich nichts.

Was ich sagen möchte, aber nicht dir im speziellen und schon gar nicht euch im Allgemeinen: Ich bin so schrecklich einsam. Und keiner da, der das ändern darf.

Der Schlüssel der Pandora

Seit Wochen kein Wort gesprochen,
Sekunden werden zu Stunden
Anschreiben, mich melden.
Ich will es. so sehr.
Doch die Büchse der Pandora ist zu.
Sie trägt die Hoffnung in sich.

Doch auch alles Schlechte meiner Welt.
Ich will wissen, wie es dir geht.

Doch dich zu treffen, wird mein Verderben sein.
Egal, wie weit wir voneinander getrennt sind.

In Gedanken trage ich dich bei mir.
Das muss reichen. Ich darf es dir nicht sagen, sonst ist es um mich Geschehen.

Ich stürze mich in meinen Untergang, zu groß ist die Versuchung.
Jedes Mal aufs Neue.