Alle Beiträge aus dem Jahr 2008

Stolz und schwul drauf

Die Regenbogenfahne in deinem Profil zeigt: du bist schwul, durch und durch.
Du hast damit kein Problem, du stehst zu dir, deinen Gefühlen und deiner – zugegebenermaßen – auffälligen Art. So oder so hast du also keinen Grund, dich zu verstecken.

Schon als kleines Mädchen war dir klar: wenn du groß bist, wirst du schwul! Du bist stolz auf das, was du bist. Stolz auf deine Homosexualität.

Da stellt sich mir eine Frage:
Muss ich selbst das jetzt auch allen auf die Nase binden, Demonstrationen organisieren, Selbsthilfegruppen gründen, Flyer verteilen, mir die Augenbrauen zupfen, den Intimbereich rasieren, ein Myspaceprofil eröffnen…

*lufthol*

…um nicht intolerant mir selbst gegenüber zu sein?

Helmpflicht ©

Meine Gedanken sind frei, aber dennoch gehören sie mir! Sie sind von unermesslichem Wert, das einzige, was ich habe – meine einzige Schwachstelle. Deshalb muss ich sie beschützen.

Doch um zu überleben, muss ich sie mit anderen teilen.Ich muss mich durch sie offenbaren, damit andere sehen, dass ich existieren.

Ich bin, denn ich denke. Ich denk, weil ich fühle. Ich fühle, weil ich lebe. Doch ich darf ihnen nicht das Werkzeug in die Hand geben, ihnen nicht erklären, wie sie es gegen mich verwenden können.

Brent Everett unter der Haube

Hui, da schau her. Sogar für Pornostars existiert so etwas wie Liebe.

In diesem Fall Brent Everett (den man kennen MUSS) und sein Mann sowieso, den man nicht kennen muss. Der hat schließlich auch keine Pornos gemacht.

Die Hochzeit fand etwa im September statt. Da hat wohl jemand Sex-richtige erwischt. 😉

PS: Die Umfrage (rechts) läuft übrigens noch ein paar Tage – momentan lässt sich noch kein klarer Gewinner ausmachen.

DU da

Du forderst nichts von mir, du gibts. Du förderst mich und unterstützt meine Bemühungen. Durch dich werde ich zu einem besseren Menschen. Durch dich werde ich mehr „ich“, als ich es je gewagt hätte zu sein.

Meine Selbstzweifel verschwinden, ich merke: „Ich“ zu sein ist nichts schlechtes. „Ich“ zu sein, ist sogar das einzige, das ich sein kann, denn genau dieses Ich ist es, das zu so liebst. Ich brauche mich nicht zu verstellen, nur um mir am Ende selbst (nicht) zu gefallen.

Du hälst meine Hand, ohne mich zurückzuhalten. Du reißt mich mit, ohne mich ins Straucheln zu bringen.

Dabei bist du gar nicht das, wovon ich immer geträumt habe. Du bist viel mehr. Du übersteigst meine Vorstellungskraft. Und ich stelle erstaunt fest: Du bist auf deine Weise fasziniert von mir.

Du bist ein Rätsel, dass mich jeden Tag aufs Neue fragen lässt: „Womit habe ich dich verdient?“ Dabei offenbarst du mir die Gewissheit, dass die Antwort in mir selbst zu finden ist.

Du bist viel mehr Sein als Schein. Du bist ein Mysterium, dass es zu ergründen gilt. Ich schaue mir Fotos an von dir, alte Fotos, die Jahre vor mir enstanden. Sie zeigen dich, und doch ist es, als betrachte ich eine völlig andere Person. So wunderbar… damals schon. Auch ohne mich.

Du hast eine Vergangenheit. Aber haben wir eine Zukunft?

DIPOLISATION #4: Beziehungsweise

Neulich auf einer Party kam mir wieder eine Frage in Sinn, über die ich schon des öfteren nachgedacht habe: Woran erkennt man den Richtigen? Wie müsste er sein?

Reicht allein das Aussehen? Genügt ein trainierter Körper, mit wenig Fett und der richtige Menge an Muskeln? Darf man Abstriche beim Gesicht hinnehmen? Sticht ein süßes Lächeln jeden Babyspeck aus? Oder stülpt man dort eine Tüte drüber und ergötzt sich dafür an überdimensionalen Herrlichkeiten?

Sind alle gutaussehenden Jungs nicht sowieso nur an Spaß interresiert, ohne sich je Ernsthaft für eine Beziehung hergeben zu wollen? Konzentriert man sich, als Beziehungssuchender, also eher auf die inneren Werte? Ist Treue das höchste Gut? Je besser der Kerl aussehe, desto leichter geriete ohnehin er in Versuchung.
Gräbt man lieber nach dem scheuen Schönling? Gibt man sich mit dem törichten Treuling zufrieden, der es nicht einmal wagen würde, andere Jungs auch nur anzusehen?

Wie sehr dürfen sich die inneren Werten gleichen? Zwar muss auf der einen Seite Übereinstimmungen geben, aber es kann auf der anderen Seite schnell zur Verhärtung an den Fronten kommen, wenn sich zwei Stierköpfe die Hörner wund schlagen.
Darf er wissen, was ich denke? Will ich überhaupt wissen, was er denkt? Ist Wissen nicht eine Entmythisierung seiner Person? Soll er nicht so lange wie möglich interessant bleiben? Die Beziehung frisch halten?

Darf er mich zum Lachen bringen? Wie viel Kind, Clown und Draufgänger verträgt sich mit den ernsthaften, nachdenklichen und verletzlichen Charakterzügen, die er zu verbergen versucht – und die er natürlich seinerseits nur „dem Richtigen“ offenbart?

Oder ist alles im Grunde egal – Aussehen, Charakter, Alter – solange er nur genug Kohle hat? Lifestyle, Autos, Reisen, Geschenke – lässt sich so „Liebe“ in Zahlen ausdrücken? Profitorientierte Liebe – wackelt da nicht gerade in Zeiten einer Finanzkrise das geliebte Fundament?

Für den perfekten Kerl ist es wohl die richtige Mischung aus allem. Je weniger Abstriche man machen muss, umso besser, umso perfekter. Oder ist am Ende nicht jede Überlegung und Vorstellung nichtig?

Man merkt, ja weiß es doch, wenn der Richtige plötzlich vor einem steht.

Auf diesen Gedankengang folgte eine weitere, viel beängstigendere Frage: Was, wenn man den perfekten Kerl endlich gefunden hat? Einem mit jedem Treffen klarer wird: ER ist es. Niemand anderes war und wird je an ihn heran kommen. Jedes Techtelmechtel, jeder Flirt, jede andere Beziehung wird immer in seinem Schatten stehen? Mit jedem Kuss wirst du daran erinnert, dass dieser Kuss sich nicht „richtig“ anfühlt, sondern falsch. Du küsst also den Falschen.

Und was machst du, wenn der perfekte Kerl vor dir steht – und du ganz genau weißt: Ihr werdet verdammt nochmal nie zusammensein?

Dann tut es jeder andere, jeder Falsche. Und siehe da: Die Party ist voll ihnen.

Probieren über Studieren?

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund.
Wir erzählten uns gegenseitig von unserem Liebesleben. Er schien die Jungs wie Unterwäsche zu wechseln, probierte alle einmal an, zog alle einmal aus. Ob Sex oder Beziehung, nichts war von Dauer.
Dann sollte ich von mir erzählen. Doch da gab es nichts. Keinen Sex – und schon gar keine Beziehung.
„Warum?“, wollte er wissen.
„Ach weißt du“, ich nachdenklich, „irgendwie finde ich nicht den Richtigen.“
Da verstand er und sagte: „Ach… Ich auch nicht.“

Di Politour

Nach dem Ende meiner langjährigen Beziehung, blieb ich mit den Trümmern meiner Liebe zurück. Ich begann, die Überreste des Holzhauses zu entfernen, der kleinen warmen kuscheligen Blockhütte mit dem Herz in der Eingangstür, doch stolperte dabei immer wieder über ein bestimmtes Stück Holz, mit dem viele Erinnerungen verbunden waren.

Es war schön geformt und geschliefen – und konnte in seiner Pracht nur erhalten werden, wenn sorgsam damit umgegangen wurde und es auf eine bestimmte Art gehegt und gepflegt wurde. So etwas brauchte langjährige Erfahrung – ich war sehr froh, dass Er mir immer diese Arbeit abnahm.

Doch nun war ich wieder auf mich alleine gestellt. Ich suchte Ersatz, doch keiner wusste so gut damit umzugehen wie Er. Ich wusste allerdings: Er würde nie zurückkommen. Ich wusste auch: Die Enttäuschung war zu groß, um so etwas noch einmal erleben zu wollen.

Seither suche ich nur noch Männer, bei denen eine Sache gewiss ist: Mögen sie noch so gut aussehen, noch so charmant sein, noch so gut gebaut sein, noch so viel Geld haben.
Es muss von Anfang an klar sein, dass ich mich nie in sie verlieben könnte, mögen sie auch noch so gut meine Latte polieren.

Pubertäter

Am Anfang krachte und blitzte es – im positiven Sinne. „Wow“, dachte nicht nur ich – „Is der goil“, sagten auch meine Freundinnen. Und so nett! Du hast Humor, du bist witzig und dein Grinsen verrät zwei Dinge: Du bist total niedlich. Dich muss man einfach gern haben! Im Grunde der perfekte Schwiegersohn.

Was die Eltern nicht wissen: Du hast es Faustdick hinter den Ohren. Mehr noch als ich! Du und dein Lausbubengrinsen. Du spielst mit dem Feuer und verbrennst dich dabei doch nie. Es sind die anderen, die sich an dir die Finger verbrennen. Du stehst irgendwie immer mit einer weißen Weste da: Du willst spielen, du willst deinen Spaß – und am Ende zahlen die anderen die Rechnung.

Du gibst einem das Gefühl, alles zu haben, was man sich wünschen kann. Ist man in deiner Gegenwart, ist man genauso toll wie du. Deine Tollheit färbt auf deine Begleitung ab. Du bist ein Geber, du gibst dich her. Du verkaufst dich nicht, aber du teilst dich.

Zu spät merkt man, dass du ein Dorffahrrad bist. Alle wollen mal mit dir fahren. Alle haben sie schon einmal. Dabei bist du schon weit herumgekommen. Egal wen man fragt, egal wo man hinkommt. Erwähnt man deinen Namen, so zeichnet sich ein Grinsen im Gesicht des anderen ab. „Ihn kennen? Klaaar. Wie, du auch??“, so, als hätten sie sich abgesprochen. Kein Wort der Klage, aber ein Wort des Lobes. Ob es dir gut gehe, fragen sie. Als ob ich es wüsste.

Du teilst dich zwar, aber du teilst dich nicht mit! Du bleibst ein Geheimnis. Du versprichst nichts. Jedenfalls nicht mit Worten. Doch dein Grinsen spricht Bände. Willst du spielen, so spielt man mit. Egal, auch wenn man dabei verliert. Dir geht es nicht ums gewinnen. Du hast schon gewonnen. Das ahnt man irgendwie, und du, du weißt es auch! Du zeigst deine Karten nicht, du bluffst, gibst vor, nichts zu wissen. Und dabei bist du eiskalt, eiskalt und berechnend.

Du weißt um deine Wirkung, du weißt um dein Aussehen. Du weckst Begierde, du bist ein Lustobjekt. Eine Trophäe. Es geht darum, dich zu gewinnen. Das weißt du, es ist ein Spiel. Was man nicht ahnt: du hast es erfunden. Du hast die Regeln gemacht. Wer sie nicht kennt, der verliert. Leider hast du sie nicht aufgeschrieben. Schaut man dich an, verliert sich auch sofort jeder Gedanke daran, dass es so etwas überhaupt geben könnte. Du erweckst nicht den Eindruck, als hättest du alles kalkuliert. Man traut es dir auch irgendwie gar nicht zu. Du siehst zu herzig aus, als das man dir böse Absichten unterstellen könnte.

Wenn, dann ist man selbst der Böse, der, der dich heimlich ins Bett kriegen will. Oder schlimmer noch: der, der dich an sich binden will. Du machst einem ein schlechtes Gewissen. Dabei hast du die Schere in deiner Lausbubenhose versteckt, jeder Versuch, dich irgendwo fest zu binden, wird, wenn man gerade nicht hinschaut, von dir zunichte gemacht: du zückst die Schere und *Schwupps* wurde der Bindungsvorgang abgebrochen.

Man wundert sich noch, warum es wohl nicht klappen mag, gibt sich selbst die Schuld. Zweifel kommen auf. Selbstzweifel. Man wird unsicher. Man geht jeden Gesprächsfetzen durch, an den man sich in der Eile noch erinnert. Langsam dämmert es, dass du nie etwas gesagt hast, das einem Sicherheit geben würde, nichts, dass dafür spräche. Du versprichst nichts. Nicht mit Worten.

Du weißt, wieso: weil du deinen Spaß willst, weil du spielen willst. Du kleiner Bengel. Irgendwie wirkst du unreif. Ein kleines Kind, das nicht so recht weiß, was es will. Gehört auch das zu deiner Taktik? Sie wäre genial: Gräbt man nach Indizien für dein kalkuliertes Spiel, so stößt man nur auf das Kind in dir. Beim Graben erwischt man es am Kopf, es fängt an zu weinen und rennt weg. Ein Gespräch wird somit zur Unmöglichkeit. Ein unschuldiges Kind, viel zu naiv um sich so etwas Böses auszudenken. Ein Kind, das unzählige Freunde hat und mit jedem spielt. Wer würde es dir übel nehmen? Man tröstet es sogar noch, weil man der Böse war, und mit der Schaufel zu tief gegraben hat.

Aber langsam reicht es mir! Ich nehme es dir übel. Es ist geplant, es ist durchdacht. Alles! Du bist durchtrieben! Ich habe dich durchschaut!
Hör auf, so frech zu grinsen! Hör auf, diese Spielchen zu spielen! Sonst nehme ich diese Schaufel und brate dir eins über die Rübe! Werde endlich erwachsen! Und fang verdammt nochmal an mich zu lieben!

Kissenschlacht

Du sagst, es geht dir nicht gut. Du hast Probleme beim Einschlafen. Gedanken quälen dich. Erinnerungen, Ängste, Sehnsucht. Du fragst, ob es mir ähnlich geht.

Ich frage: Meinst du sowas wie nachts heulen und stumm schreien und aufs Kissen einprügeln und noch mehr heulen, bis man merkt, dass sich auch dadurch nichts ändert?

Ist es so, dass das Ganze dann immer mehr an Bedeutung verliert, je mehr du darüber nachdenkst, weil du Dafür und Dagegen solange gegeneinander aufhetzt, bis sie sich ungewollt einfach im Nichts auflösen?

Hast du dann nur noch feuchte Augen, kannst aber nicht mehr weinen, weil der Grund zwar da, aber mit einem Mal einfach verschwunden ist, vielleicht verdrängt vom Unterbewusstsein?

Und du den Kopf wieder aufs nasse Kissen legst, schlafen willst und die Gedanken kreisen sich nur noch um diesen feuchten Fleck, auf dem deine Wange liegt?

Und der einzige Grund, warum du noch nicht schlafen kannst, der ist, dass das dumme Kissen nass geworden ist?

Meinst du das, frage ich?

Du nickst.

Ich verneine.

Dipolisation: Mittendrin kalt.

Die lauben Blätter fallen und die kalten Tage werden kürzer. Und wenn ich dann noch von der Brücke meines Heimatortes aus die hellen, blinkenden, rotierenden Lichter aus der Nachbarstadt sehe, dann weiß ich: Der Jahrmarkt ist da – und mit ihm der Herbst.

Die Stadt verwandelt sich, die Lichter erhellen sie. Menschen kreischen, aus Spaß an der Freude. Menschen drängen sich, reihen sich ein, steigen auf. Ins Karussell, in die Teetassen, ins Riesenrad.

Vor mir steht sie, türmt sich auf: Die Achterbahn der Gefühle. Hinter mir: ein Jahr, das zu Ende geht. Mittendrin ich. Meine Hände kalt. Und niemand, der sie wärmen kann.

Today Will Be Better, I Swear!

Der Schmerz jedoch bleibt. Wenn drei Tage schon wie eine Ewigkeit sind, wie verhält es sich erst dann mit 6 Wochen?

Die Antwort lässt sich längst nicht mehr unterdrücken. Spreche ich sie aus, so sprudelt es hervor, doch es sind keine Worte, sondern Tränen.

Die Wahrheit tut weh. Sie sich bewusst zu machen ist nicht einfach. Sie sich ein zu gestehen schmerzt.

Jeden Tag daran zu denken, dass man gar nicht wütend, sondern zutiefst traurig und einsam ist, ist unerträglich.

Dipolsche Zoologie #1: Jungtiere

Beginnen wir unsere Reise durch die bunte Artenvielfalt der Tiere mit den Kleinsten: die Jung- oder auch Beuteltiere genannt.

Ihr Augen gewöhnen sich nur langsam an den Anblick der fremdartigen Welt, die sich ihnen nach ihrer Geburt offenbart. Lichtblitze in jeder erdenklichen Farbe und hämmernde Bässe erschweren die Orientierung. Jedoch entgeht ihnen nicht, dass sie nicht alleine sind.

Ihre Artgenossen, die trotz dem männlichen Geschlecht in der Fachsprache mehrheitlich als „Schwestern“ bezeichnet werden, liegen auf der Pirsch. Die genauen Absichten vermag auch ein erfahrener Rudelführer nicht immer zu durchschauen.

Mutige Jungtiere wagen bald den ersten Schritt ins Jagdrevier anderer Tiere, und werden leider nur allzu schnell zur leichten Beute.

Bildcredit: Zoo Antwerpen von peter ijdema bei Flickr

Weltreise

Was nicht zusammen gehört, beginnt ineinander zu verschmelzen
Was sich nie hätte treffen dürfen, kennt sich schon längst
Was bisher keine Rolle gespielt hat, war immer schon präsent

Welten verbinden sich
Welten, nie wirklich getrennt

Doch sucht man nach ihnen, so findet man keine
denn siehe: es gibt nur diese eine.

Dipolisation: Ein Tag im Zoo

Nach meinem missglückten Date ging ich neulich ohne Begleitung auf eine Party. Man könnte auch sagen: allein, aber das klingt so traurig.

Unter den vielen Anwesenden müsste ja, rein theoretisch, einer dabei sein,
der zu mir passt. Aber was sich im ersten Moment einheitlich als „Schwulenparty“ zusammenfassen lässt, ähnelt bei längerem Hinsehen eher einem Zoo. Die Artenvielfalt ist unbeschreiblich groß: Da gibt es neben den rosafarbenen Flamingos auch noch Pinkguine, Designer-Gürteltiere, Leder- und Lackaffen, Gieraffen, Muskeltiere, Plapageien, Kackadus, und
noch viele weitere Arten und mit ihren Eigenheiten.

Sie alle zählen zusammen genommen zur „schwulen Familie“ – obgleich keinerlei Verwandtschaft besteht. Das ist nämlich das Besondere: Die Paarungsbereitschaft ist nicht auf eine Art festgelegt, sondern geht beliebig weit über die eigene Art hinaus. Natürlich ist dies nicht allgemein gültig, einige Arten erweisen sich dabei als paarungsinkompatibel. Einige
Lackaffen bleiben lieber unter sich, andere bleiben lieber im eigenen Revier, aus Angst davor von den eigenen Reihen verstoßen zu werden.
[Photo]
Auch die Mehrheit der Jungtiere balzt zunächst lieber mit Ihresgleichen – wobei andere wiederum den reichhaltigen Erfahrungsschatz älterer Herdentiere zu schätzen wissen.
Dann gibt es da natürlich noch die Alphatiere: Sie machen für niemanden „Männchen“ und schon gar nicht die Beine breit. Kennt man sich in der schwulen Zoologie aus, so ist es gar nicht schwer, sich darin zurecht zufinden.

So erkennt das geübte Auge die Schäfchen im Wolfspelz und die süßen Häschen, die nichtahnend in den Tag hinein hoppeln.

Dipolisation: Zischbar

Neulich in der Zischbar. Ich traf mich mit einem Jungen. Es sollte ein „Date“ sein. Ich kannte ihn noch nicht lange. Ich habe ihn irgendwo zufällig getroffen einmal, so genau weiß ich das nicht mehr.

Ich hatte schon beim Hinsetzen das Gefühl, ihn viel zu lange zu kennen. Dabei war er auf den ersten Blick ganz niedlich. Etwas hilflos vielleicht.

Nicht die Sorte, auf die ich sonst abfahre – aber man will ja nicht intolerant sein. Aus Höflichkeit habe ich ihn ausreden lassen, ihm zugehört, zustimmend mit dem Kopf genickt. Nicht etwa, um ihn ins Bett zu kriegen, sondern in der Hoffnung, dass er einmal nach Luft schnappen und mich sprechen lassen würde.

Damit meine ich etwas anderes als ein „Ja“ oder „Verständlich“. Einmal konnte ich ein „Ich hätte das Gleiche getan“ dazwischen schieben. Ich mag Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Die wissen, was sie wollen. Und vor allem mag ich diejenigen, die sich nicht alles gefallen lassen und gleich den Schwanz einziehen, wenn es eng wird – und das nicht einmal sexuell gesehen.

Ja, seine letzte Beziehung lief nicht so gut – aber wen interessiert das? Mich nicht. Nicht, dass er für mich gänzlich uninteressant wäre. Aber dieses Gespräch hätte sich genauso gut um die Tragbarkeit von Unterwäsche handeln könnten!

Mist, hatte ich das gerade laut gesagt?
Seine Augen wurden groß, der Mund ging schon auf. Noch bevor ich mich entschuldigen konnte erklärte er mir (den ersten entgeisterten Satz habe ich überhört, den giftigen Blick ignoriert), dass er die Slips (von mir aus auch Boxershorts!), auch gerne mal einen Tag länger anbehalten würde.

Spann-ung

Boah! Ich kaue auf meinen Lippen. Knabbere meine Fingernägel. Argh!!

Jemand soll etwas tun. Dieser Anblick ist kaum zu ertragen. Dieser Kerl, der da zwei Reihen weiter vorne mit dem Rücken zu mir sitzt, ist gefährlich. Allein sein Rücken macht mich wahnsinning. Ist das T-Shirt einfach zu klein oder sind es die Rückenmuskeln, die es so spannen?

Er weiß doch genau, was er da tut, wie es aussieht. Nur, welche Wirkung es auf mich hat, das weiß er nicht. Besser so. Je länger ich schaue, desto mehr zittere ich.

Ich will hier raus, doch es geht nicht. Ich darf nicht, sondern muss warten. Ich versuche mich abzulenken, den Blick von diesem Berg von Rücken abzuwenden. Vielleicht die Arme?

Großer Fehler. Da fehlt nämlich der Stoff und Haut ist sichtbar. Richtig Farbe hat er schon bekommen. Die Woche Urlaub hat scheinbar gereicht. Hach, wäre ich doch nur mit ihm mitgekommen. Durfte ich aber auch nicht.

Moah, der Triceps springt mir förmlich ins Gesicht. Soviel Defintion ist bestimmt illegal.

Hilfe, er dreht sich um. Waaaah, das macht mich langsam noch wahnsinning. Ich springe ihm noch an den Hals, wenn nicht bald etwas passiert.

Zu meiner Erleichterung klingelt die Schulglocke, die Unterrichtsstunde ist zuende. Die beklemmende Situation hat ein Ende. Nur an einer Stelle ist es noch eng. Aber sobald ich das Zimmer verlassen habe, wird sich auch die Beule in meiner Hose wieder beruhigen.

 

Der Richtige für eine Beziehung

Er ist nicht fordernd, sondern fördernd. Er hält meine Hand, ohne mich zurückzuhalten.
Er ist mitreißend, ohne mich ins Straucheln zu bringen.
Er ist nicht das, wovon ich immer geträumt habe. Er übersteigt meine Vorstellungskraft.
Er ist mehr Sein als Schein. Er ist ein Mysterium, dass es zu ergründen gilt.
Er ist ein Rätsel, dass mich jeden Tag aufs Neue fragen lässt: „Womit habe ich ihn verdient?“
Dabei offenbart er mir die Gewissheit, dass die Antwort in mir selbst zu finden ist. Und ich weiß ohne Zweifel: Ihm geht es genauso.

Clarification

Es ist egal, was ich mache, oder wie lange.
So langweilig die Tätigkeit auch sein mag, unnötig, eintönig.
Egal, ob ich es all die Jahre zuvor gehasst oder unter Zwang gemacht hab.

All das, ganz gleich was – erhält durch dich eine Bestimmung, ein Ziel.
Es leuchtet mir ein, ist selbstverständlich. So und nicht anders hat es zu sein, keine andere Möglichkeit wäre denkbar.

Nein, nicht durch dich, sondern mit dir.
Ich sehe es nun klar, der Sinn, bist du.

Mein Schatz

Hätte ich einen Schatz, so würde ich ihn in eine Truhe stecken,
auf einer einsamen Insel vergraben,
eine Schatzkarte malen,
sie in eine Flasche stecken,
einen Korken drauf tun,
und sie weit weit ins Meer hinaus werfen.

In der Hoffnung, dass sie eines Tages,
irgendwo,
gefunden wird von einem Suchenden,
der sich aufmacht, ihn zu finden,
auf dass auch andere teilhaben werden,
an meinem Reichtum, meinem Schatz.

An dir.

Her damit!

Dein Anblick hat mich sehr verstört,
du hast etwas, das mir gehört.

Ich habe es nicht verloren, du hast es bekommen;
als ich nicht Acht gab, ist es zu dir gekommen.

Ich habe es anfangs nicht mal gemerkt,
dann habe ich es schrecklichst vermisst.

Mein Hass hat sich unglaublich verstärkt,
seit ich weiß, wer du bist.